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David Lorenz
„Kernenergie kann man auf Dauer nur nutzen, wenn eine Mehrheit der Menschen sie akzeptiert. Das ist in Deutschland aber seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall und wird sich nach meiner Einschätzung auch nicht mehr ändern.“
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) gegenüber der „Bild“-Zeitung.
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David Lorenz
Ungewohnt deutlich äußerste sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu den jüngsten Vorfällen im Atomkraftwerk Krümmel. „Es kann einem schon der Zorn ins Gesicht steigen“, so Merkel gegenüber der ARD. „Ich bin sehr, sehr unzufrieden mit der Situation, dass es auch nach zwei Jahren Reparaturen an dem Atommeiler wieder zu Zwischenfällen kam.“
Merkel geht somit erstmals öffentlich auf Konfrontationskurs zu Vattenfall, dem schwedischen Betreiberkonzern des pannengeplagten Kernkraftwerkes. Die großen Vorbehalte in der deutschen Bevölkerung gegenüber der Nutzung von Kernenergie haben sich durch die aktuellen Störfalle in Krümmel zuletzt weiter verstärkt. Für CDU/CSU und FDP kommt die jüngste Anti-Atomkraft-Stimmung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da ursprünglich mit verlängerten Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke und einer Atomstrom-Renaissance für die Bundestagswahlen im kommenden September geworben werden sollte.
Die Kanzlerin musste zudem fehlende Fortschritte bei der Deponierung von radioaktiven Abfällen einräumen. „Die Endlagerungsfrage ist leider ungeklärt“, gestand Merkel ein. Allerdings machte sie dafür zu einem großen Teil Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sowie die zahlreichen Atomkraftgegner in Deutschland verantwortlich, die den Ausbau des Zwischenlagers in Gorleben zu einem Endlager durch die Suche nach alternativen Standorten verzögern würden. „Wir hätten weit kommen können, wenn der Umweltminister es gewollt hätte“, so die Bundeskanzlerin.
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David Lorenz
Die Reaktion von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf die Kritik des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) lies nicht lange auf sich warten. Nachdem Koch eine unbegrenzte Laufzeit deutscher Kernkraftwerke gefordert hatte und die Atomausstiegs-Bemühungen Gabriels heftig kritisierte, fand dieser gegenüber dem „Hessischen Rundfunk“ deutliche Worte: „Personen wie Roland Koch, die am lautesten nach einem Festhalten an der Atomenergie rufen, scheuen wie der Teufel das Weihwasser, wenn man in ihrem Bundesland nach möglichen Endlagerungsstätten für Atommüll sucht.“
Auch nannte Gabriel die Bestrebungen von Union und FDP, ältere deutsche Atommeiler weiterhin zu betreiben, einen Skandal. Dies diene lediglich den Interessen der Atomwirtschaft und berge ein großes Sicherheitsrisiko. Abermals machte Gabriel deutlich, dass er eine zentrale Atomaufsicht sowie den vorgezogenen Atomausstieg für die Zukunft Deutschlands als unumgänglich betrachtet.
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David Lorenz
Nach einer aktuellen Studie des Ökoinstitutes geht die Rechnung von günstigen Strompreisen bei einer gleichzeitigen Laufzeiten-Verlängerung deutscher Atomkraftwerke möglicherweise nicht auf.
Die Studie hat laut dem „Handelsblatt“ Strompreise im europäischen Ausland mit Atomstrom-Anteilen der betroffenen Länder verglichen. So weist Frankreich beispielsweise mit einem hohen Atomstrom-Anteil am nationalen Energie-Mix einen relativ günstigen Strompreis auf. In Belgien dagegen, wo Atomstrom einen ähnlich hohen Anteil am Energie-Markt wie in Frankreich stellt, ist der Strom besonders teuer. Laut dem Ökoinstitut könne daher „kein Zusammenhang zwischen hohen Kernenergie-Anteilen und dem Strompreisniveau” hergestellt werden.
Sigmar Gabriel (SPD), Bundesumweltminister und Auftraggeber der Studie, geht sogar noch einen Schritt weiter. „Eine Laufzeitverlängerung führt nicht zu sinkenden Strompreisen. Im Gegenteil. Weil notwendige Investitionen in neue Kraftwerke unterbleiben, könnte der Strompreis sogar steigen.“
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David Lorenz
Der schwedische Stromerzeuger Vattenfall steht vor einem unfreiwilligen Strategiewechsel. Dem staatseigenen Unternehmen wurde von der Regierung Schwedens auferlegt, zukünftig vermindert auf die Energiegewinnung aus Kohlekraftwerken zu setzen.
Vor allem die zahlreichen Braun- und Steinkohlekraftwerke im europäischen Ausland, speziell in Deutschland, zogen jüngst den Unmut der schwedischen Wirtschaftsministerin Maud Oloffson auf sich, die konkret die Pläne Vattenfalls zum Neubau eines Kohlekraftwerkes in Hamburg-Moorburg kritisierte. “In Zukunft werden wir umfangreiche Handlungsanweisungen für die Umstellung auf umweltfreundliche Technik geben”, so die Ministerin laut Financial Times Deutschland (FTD).
Ein Sprecher des in Stockholm ansässigen Konzerns ließ daraufhin verlauten, man werde die Direktiven des Staates umsetzen, auch wenn es sich nicht einfach gestalten werde, kurzfristig komplett auf erneuerbare Energien umzusatteln.
Vattenfall, in der Bundesrepublik hinter E.ON und RWE drittgrößtes Betreiber-Unternehmen, gewinnt in Deutschland einen Großteil seines Stroms aus fossilen Energieträgern, während der Konzern in Schweden lediglich auf Atom-, Wasser- und Windkraft setzt.
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David Lorenz
Jaslovske Bohunice im Westen der Slowakei war zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion eine Hochburg der Kernenergie. Lange Zeit versorgten vier Reaktoren Teile der Supermacht mit Atomstrom. Aufgrund fehlender Optionen für nötige Modernisierungsmaßnahmen mussten 2006 und 2008 zwei Reaktoren vom Netzt genommen werden.
Nun planen die staatlichen Energieversorger JAVYS (Slowakei) und CEZ (Tschechien) gemeinsam ein neues Atomkraftwerk am alten Standort zu errichten. Dazu wurde am vergangenen Freitag ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das für die genaue Planung und Umsetzung des Baus verantwortlich sein wird. Wie die Finanzierung des gemeinsamen Projektes im Detail gestemmt werden soll, konnte derweil noch nicht bekannt gegeben werden. Insgesamt handelt es sich laut den Vertragspartnern um eine Investition von sechs Milliarden Euro, die jeweils zur Hälfte von JAVYS und CEZ aufgebracht werden muss.
Kritik an dem ehrgeizigen Projekt wird derweil aus dem benachbarten Österreich laut, das die tschechisch-slowakischen Pläne gegenüber der Nachrichtenagentur APA als „höchst unerfreulich“ bezeichnet. Die Alpenrepublik befürchtet massive Nachteile für Umwelt und nationale Sicherheit und wird laut Umweltminister Nikolaus Berlakovich „maximale Schutzansprüche“ geltend machen, um den Bau des Kernkraftwerkes zu verhindern.
Anders als in Österreich steht die Mehrheit der slowakischen Bevölkerung hinter der Nutzung von Kernenergie. Atomstrom erfreut sich in dem Karpatenstaat höchster Beliebtheit, größtenteils aufgrund der Tatsache, dass durch eigene Atomkraftwerke die Abhängigkeit zu Russland in Energiefragen eingedämmt werden kann.
Demzufolge wird die Kritik aus Österreich mit großem Unverständnis aufgenommen. „Mediale Panikmache“ nannte der slowakische Botschafter jüngst die Angriffe aus dem Nachbarland.
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David Lorenz
In der Bundesrepublik Deutschland herrscht nach wie vor große Skepsis gegenüber Atomkraftwerken und Kernenergie. Eine aktuelle Forsa-Umfrage hat ergeben, dass 66 Prozent der Bürger dieses Landes den beschlossenen Atomausstieg begrüßen.
Knapp 60 Prozent der Bevölkerung sehen in der Atomenergie sogar eine ernsthafte Gefahr, während auf der anderen Seite lediglich acht Prozent der repräsentativ Befragten von keinem negativen Effekt der Technologie ausgehen.
„Die Zahlen belegen, dass eine breite Bevölkerungsmehrheit den beschlossenen Atomausstieg unterstützt. Sie zeigen auch, dass es der Atomlobby selbst mit einer millionenschweren Dauerwerbekampagne nicht gelingt, die Wahrnehmung der Atomkraftrisiken zu übertünchen. Das Gerede von einer Rückkehr der Atomenergie entpuppt sich als bloße Propaganda“, äußerte sich Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zu den Ergebnissen der Umfrage.
Aus Selbiger geht auch hervor, dass Anhänger von CDU/CSU sowie der FDP die Gefahren im Vergleich zu Wählern der Grünen und der Linkspartei als deutlich geringer einschätzen. Ebenso driften die Meinungen beim geplanten Zeitpunkt des Atomausstieges auseinander. CDU/CSU-, sowie FDP-Anhänger würden längere Laufzeiten befürworten, während sich die Wähler der Grünen und der Linksparte für ein früheres Abschalten deutscher Kernkraftwerke aussprechen.
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David Lorenz
Nachdem sich in den vergangenen Wochen Berichte von geplanten Atomkraftwerken in Russland, Tschechien und Polen häuften, legt nun die Volksrepublik China mir einer eigenen Meldung nach.
Am Sonntag fand der erste Spatenstich für ein neues Kernkraftwerk in der ostchinesischen Provinz Sanmen statt. Auf der Zeremonie lies der stellvertretende chinesische Ministerpräsident Li Keqiang verlauten, das Land würde zukünftig umfangreiche Förderprogramme zum Bau neuer Atomkraftwerke anstoßen. Ziel dabei sei es laut Keqiang, die Energieversorgung in China auf lange Sicht zu gewährleisten.
Das bevölkerungsreichste Land der Erde benötigt trotz der internationalen Finanzkrise Unmengen von Energie, um den gewaltigen Bedarf der wachsenden Wirtschaft zu decken.
Momentan sind in der Volksrepublik 11 Atomkraftwerke am Netz, während sich weitere 11 Meiler im Bau befinden.
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David Lorenz
Wladimir Putin, russischer Regierungschef, erläuterte am heutigen Mittwoch die zukünftigen Energie-Pläne seines Landes.
Die Nutzung und Erzeugung von Atomstrom nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein.
Bis ins Jahr 2030 sollen in Russland 26 Reaktoren gebaut werden. Laut der Pläne werden die Meiler von einer Gemeinschaftsfirma in Betrieb genommen, bestehend aus dem staatlichen Konzern Rosatom und dem deutschen Industriegiganten Siemens. Rosatom kann dabei nach Putin mit einer Staatshilfe von 1,13 Milliarden Euro rechnen.
Siemens und Rosatom verfolgen äußert ehrgeizige Ziele. Zukünftig wollen beide Konzerne rund ein Drittel des gesamten Weltmarktes für Atomkraftwerke erobern. Als erstes Projekt steht ein Meiler in der Umgebung von Kaliningrad, früher Königsberg, zur Diskussion.
Derzeitig wird der gesamte Strombedarf Russlands zu 16 Prozent durch Energie aus Kernkraftwerken gedeckt. Dieser Anteil soll bis auf 33 Prozent ausgebaut werden. In vielen Ländern Europas beträgt die Atomstrom-Quote bereits 25 Prozent (in Deutschland ca. 22 Prozent im Jahr 2007).
Putin lies derweil durchklingen, dass die russische Regierung in den kommenden Monaten Projekte zur Förderung der Atomenergiewirtschaft sowie nukleare Rüstungspläne ausführlich besprechen werde.
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David Lorenz
Ist unsere wirtschaftliche Zukunft abhängig von Kernenergie aus Atomkraftwerken? Till Behrend, Korrespondent des FOCUS, zeigt sich davon überzeugt.
Um den weltweiten Strombedarf 2050 zu decken, sind laut einer OECD-Studie bis zu 1400 Atom-Reaktoren nötig. Momentan gibt es auf der Erde 439 Kernkraftwerke.
In seinem gestrigen Kommentar auf FOCUS Online (10. März 2009) argumentiert Behrend mit der stark verbesserten Sicherheitssituation der Kernkraftwerke. Daneben bezieht er sich auf die geringe Kohlendioxid-Emissionen, die einheitliche Pro-Haltung der europäischen Nachbar-Länder, und auf konvertierte Ex-Atomstromgegner von Greenpeace. Auch die fehlenden Kapazitäten an alternativer Energie sieht Behrend im „sonnenarmen“ Deutschland als ein Problem.
Die Opfer der Tschernobyl-Katastrophe (56, laut UN-Forum) setzt er ins Verhältnis zu den Menschenverlusten in chinesischen Kohlegruben, die jährlich in die Tausende gehen.
Kritik übt er an der ungeklärten Situation der Endlagerung. Hier nimmt Behrend vor allem die Betreiber der Kernkraftwerke und die Energie-Bosse in die Pflicht, Lösungen zu finden.
Am Ende seines Artikels plädiert der FOCUS-Korrespondet auf einen Zusammenschluss zwischen Atomgegnern und Befürwortern. Ideologische Ansichten solle man ausklammern und rein pragmatisch nach einem Lösungsansatz suchen. Als Vorbild nennt er dabei US-Präsident Barack Obama, der auf Atomenergie zu Gunsten des Klimas setzt.
Für die Nutzung von Kernenergie spricht daneben ein wichtiger Punkt. Was passiert, wenn Deutschland, wie in der Atomgesetz-Novelle vereinbart, 2021 komplett auf die Erzeugung von Atomstrom verzichtet? Sollten dann die benötigten Kapazitäten durch alternative Energiequellen nicht gedeckt sein, wäre die Bundesrepublik dazu gezwungen, Strom aus dem Ausland zu beziehen. Hierbei würde es sich nach der aktuellen Kernenergie-Renaissance in Europa mit Sicherheit um Atomstrom handeln.
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