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Alicia
Rechtzeitig vor Beginn des Wahlkamps für die Präsidentschaftswahlen 2012 hat Nicolas Sarkozy am Dienstag den Bau von 600 Windturbinen vor der französischen Küste angekündigt. Zehn Milliarden Euro will der französische Präsident in das Projekt investieren, 10 000 Arbeitsplätze schaffen. Der Offshore-Windpark soll mit einer Leistung von 3000 Megawatt zwei Kernreaktoren des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) ersetzen.
Läutet dieser Schritt etwa eine Kehrtwende Frankreichs in Sachen Atomenergie ein? Wohl kaum. Eher scheint es, als wolle Sarkozy sich auch bei den Wählern beliebt machen, die bei der letzten Europawahl den Grünen einen Höhenflug beschert haben. Eine langfristige Abkehr des Landes von der Atomenergie, die zu 80 Prozent den französischen Strommix ausmacht, ist von Sarkozy eher nicht zu erwarten. Der Bau neuer Kernreaktoren ist ohnehin längst beschlossene Sache.
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Alicia
Es geht auch ohne Atomstrom. Das behauptet zumindest Greenpeace.
Einer neuen Studie der Umweltorganisation zufolge könnten 99,5 Prozent von Europas Strom bis 2050 aus erneuerbaren Energiequellen bezogen werden. Rund 100 Millionen Euro müssten dafür in den Ausbau der Energieinfrastruktur gesteckt werden. Denn die Anforderungen an das Stromnetz unterscheiden sich stark, je nachdem, ob es sich um Strom aus herkömmlichen oder aus erneuerbaren Energiequellen handelt.
Darüber hinaus sei es notwendig, dass die EU-Regierungen umdenken. Denn es hänge vor allem mit ihrer Politik zusammen, dass gegenwärtig Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken Vorrang genieße. So würden zum Beispiel Windräder in Spitzenzeiten der Energieerzeugung gestoppt, um Kohle- und Atomkraftwerken den Zugang zu den Stromnetzen zu sichern.
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David Lorenz
„Der einzige Weg zu einer langfristig sicheren und gesellschaftlich akzeptierten Energieversorgung führt über die erneuerbaren Energien. Sie müssen erst die Atomkraft und dann die Kohlekraftwerke bis 2050 sukzessive und am Ende komplett ersetzen. Das ist die beste Beschäftigungs- und Wachstumsstrategie für unser Land.“
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“.
„Solange die Kernkraftwerke unsere hohen Sicherheitsstandards erfüllen und solange sie für unseren Energiemix unverzichtbar sind, sollten wir sie am Netz lassen. Moderne Kernkraftwerke leisten einen Beitrag zur Reduktion des Klimakillers Kohlendioxid. Das sollte auch der Bundesumweltminister im Auge behalten.“
Horst Seehofer (CSU), Ministerpräsident des Freistaates Bayern.
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David Lorenz
Von 1998 bis 2005 Bundesminister für Umwelt: Jürgen Trittin
„Der Ausbau der erneuerbaren Energie wird durch die Verlängerung der Atomkraft ausgebremst. Die von Schwarz-Gelb als Brückentechnologie verkaufte Atomkraft bricht in Wahrheit die Brücke in das Solarzeitalter ab.“
Jürgen Trittin, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, gegenüber der „Financial Times Deutschland“.
(Photo by gruenenrw | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
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September 14th, 2009 · 1 Kommentar
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David Lorenz
Offshore-Windpark vor der Küste Dänemarks
Die jüngsten Ereignisse im Atomkraftwerk Krümmel und die Enthüllungen zum Endlager Gorleben haben direkten Einfluss auf die nationale Energiepolitik. Dem „Hamburger Abendblatt“ zufolge plant die Große Koalition noch vor den Bundestagswahlen am 27. September den Bau von 40 Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee zu genehmigen.
Laut Bundesverkehrminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sollen rund 2.500 Windräder auf See errichtet werden. „Wir rechnen im Norden mit 30.000 neuen industriellen Arbeitsplätzen in der Offshore-Windindustrie in den kommenden Jahren“, so Tiefensee. „Die aktuelle Diskussion um das Atommülllager Gorleben zeigt uns wieder mal ganz deutlich, dass wir erneuerbare Energien weiter ausbauen müssen. Offshore-Windparks sind dabei ein sinnvoller Beitrag zur umweltbewussten Energiegewinnung.“
Nach Berechnungen des Verkehrsministeriums können durch die Anlagen bei vollem Wind rund 12.000 Megawatt Windenergie erzeugt werden - das entspräche einer Leistung von 12 mittelgroßen Atomkraftwerken und könnte ca. 12 Millionen deutsche Haushalte mit Strom versorgen.
Von den geplanten 40 Windparks sollen 30 in der Nord-, und zehn in der Ostsee errichtet werden. Dabei ist geplant, die Anlagen zwischen 50 und 90 Kilometer vor den Küsten im Meer zu platzieren. Laut Tiefensee sind 22 Windparks bereits genehmigt.
(Photo by m. prinke | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
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David Lorenz
Panne mit Folgen: Nach dem Störfall im Atomkraftwerk Krümmel laufen Vattenfall die Kunden davon. In den betroffenen Gebieten rund um Hamburg verzeichneten Ökostrom-Anbieter wie Lichtblick, Greenpeace Energy AG oder Naturstrom erhebliche Neukunden-Zuwachsraten. So verbuchte beispielsweise Lichtblick im direkten Anschluss an den Zwischenfall täglich rund 500 neue Abnehmer - anstatt der üblichen 300. Auch Greenpeace gewann jeden Tag etwa 80 bis 90 Haushalte hinzu, die Vattenfall den Rücken kehrten.
Der schwedische Energie-Riese selbst wollte die Wechsel-Welle bisher nicht bestätigen, da aufgrund des bürokratischen Aufwandes erst im August Angaben zu abgewanderten Kunden gemacht werden können.
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David Lorenz
Gute Nachrichten für Vattenfall. Nach rund zwei Jahren darf der Energie-Riese das Atomkraftwerk Krümmel wieder ans Netz nehmen. Das zuständige Sozialministerium Schleswig-Holsteins um Ministerin Gitta Trauernicht (SPD) gab am vergangenen Freitag einem Antrag Vattenfalls auf die Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerkes statt.
Krümmel musste am 28. Juni 2007 aufgrund eines Transformatorenbrandes abgeschaltet werden und wurde in den vergangenen beiden Jahren wegen mehreren technischen Schwierigkeiten und Pannen umfangreichen Wartungsarbeiten unterzogen. Laut Vattenfall hat das Unternehmen rund 200 technische Änderungen an der Anlage mit dem weltweit leistungsstärksten Siedewasserreaktor vorgenommen.
Unter Umweltschützern, Bürgerinitiativen sowie Atomkraftgegnern sorgt die Wiederinbetriebnahme nach wie vor für große Proteste. Auch Unterstützer von alternativen Energieträgern kritisieren die Rückkehr Krümmels ans deutsche Stromnetz. Sie merken an, dass der vergrößerte Anteil an Atomstrom am nationalen Energie-Mix zu Lasten der Erforschung und Entwicklung erneuerbarer Energiequellen geht.
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David Lorenz
Der schwedische Stromerzeuger Vattenfall steht vor einem unfreiwilligen Strategiewechsel. Dem staatseigenen Unternehmen wurde von der Regierung Schwedens auferlegt, zukünftig vermindert auf die Energiegewinnung aus Kohlekraftwerken zu setzen.
Vor allem die zahlreichen Braun- und Steinkohlekraftwerke im europäischen Ausland, speziell in Deutschland, zogen jüngst den Unmut der schwedischen Wirtschaftsministerin Maud Oloffson auf sich, die konkret die Pläne Vattenfalls zum Neubau eines Kohlekraftwerkes in Hamburg-Moorburg kritisierte. “In Zukunft werden wir umfangreiche Handlungsanweisungen für die Umstellung auf umweltfreundliche Technik geben”, so die Ministerin laut Financial Times Deutschland (FTD).
Ein Sprecher des in Stockholm ansässigen Konzerns ließ daraufhin verlauten, man werde die Direktiven des Staates umsetzen, auch wenn es sich nicht einfach gestalten werde, kurzfristig komplett auf erneuerbare Energien umzusatteln.
Vattenfall, in der Bundesrepublik hinter E.ON und RWE drittgrößtes Betreiber-Unternehmen, gewinnt in Deutschland einen Großteil seines Stroms aus fossilen Energieträgern, während der Konzern in Schweden lediglich auf Atom-, Wasser- und Windkraft setzt.
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David Lorenz
„Atomstrom blockiert geradezu den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. An den sieben Kernkraftwerken, die bis 2013 vom Netz gehen sollen, hängen nur zehn Prozent der deutschen Stromproduktion. Da könnte man sie auch sofort abschalten. Seitdem wir den Atomausstieg beschlossen haben, ist nämlich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung von vier auf heute 15 Prozent gestiegen. Und dabei wird es nicht bleiben.”
Ex-Bundesumweltminister Jürgen Trittin gegenüber der Märkischen Allgemeinen.
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David Lorenz
Trendwende auf dem Strommarkt. Im Jahr 2008 stieg der Atomstrom-Anteil am deutschen Energiemix von 22,3 Prozent aus dem Vorjahr auf 23,5 Prozent an. Auch Erzeugnisse aus Erdgas sowie von Wind-, Wasser,- und Biomasse-Kraftwerken nahmen nach einem vorläufigen Ergebnis des Bundesverbandes für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dem unter Anderem die größten Betreiber-Konzerne wie RWE, Vattenfall, E.ON und EnBW angehören, um etwa 13 Milliarden Kilowattstunden zu, während Braun- und Steinkohle-Kraftwerke zum Teil deutlich weniger Strom produzierten als noch 2007.
Insgesamt wurden in Deutschland 2008 599,3 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert, was einem Plus von lediglich 400 Millionen Kilowattstunden im Vergleich zu 2007 entspricht. Grund für die nur marginale Zunahme ist laut BDEW-Vorsitzender Hildegrard Müller der Konjunktureinbruch aus dem letzten Quartal 2008.
Die Kernenergie stellt durch das Ergebnis den größten Anteil am deutschen Strommarkt und löst somit den bisherigen Spitzenreiter, die Braunkohle, ab. Wichtigster Grund für die Trendwende ist die Tatsache, dass 2007 mehrere Atomkraftwerke aufgrund von Störfällen nicht am Netz waren (Biblis, Krümmel, Brunsbüttel). Im Februar 2008 wurde Biblis wieder in Betrieb genommen, was den Atomstrom-Anteil am deutschen Energiemix stark beeinflusste.
Vattenfall plant derweil noch für dieses Jahr die Reaktoren in Krümmel und Brunsbüttel nach umfangreichen Revisionsarbeiten wieder ans Netz zu nehmen, was den Anteil an Atomstrom-Erzeugnissen im Vergleich zur Braun- und Steinkohle weiter erhöhen würde.
Energiemix in Deutschland (2008) in Milliarden Kilowattstunden:
- Kernenergie: 140,8
- Braunkohle: 138,3
- Steinkohle: 114,4
- Erneuerbare Energien: 90,9
- Erdgas: 83,2
- Sonstige: 31,8
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