Atomstrom-Info.de: Infos und Diskussion

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Sat1-Film „Restrisiko“: Gefahren der Atomenergie

Januar 18th, 2011 · Keine Kommentare

Von: Alicia

Fast ein Vierteljahrhundert nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und ein paar Monate nach dem Beschluss der Regierung, aus dem Atomausstieg auszusteigen, erinnert Sat1 heute Abend an die Möglichkeit eines GAUs auch in deutschen Kernkraftwerken.

Ulrike Folkerts spielt Katja Wernecke, Sicherheitschefin eines norddeutschen Atomkraftwerks. Sie will den GAU aufklären, den sie mitverschuldet hat, und läuft mit knatterndem Strahlenmessgerät durch das menschenleere Hamburg. Die einstige Atomkraftverfechterin Wernecke stellt sich im couragierten Thriller „Restrisiko“ ihrer Verantwortung, sich wider alle Vernunft dafür eingesetzt zu haben, dass ein völlig veralteter Meiler länger am Netz bleibt.

Der Thriller „Restrisiko“ übt überraschend deutliche Kritik an der Atomindustrie. Parallelen zum Problemreaktor Brunsbüttel sind beabsichtigt: Oldenbüttel ist der Name des Atomkraftwerks, das im Film in die Luft geht. Gedreht wurde im österreichischen AKW Zwentendorf, einem mit Brunsbüttel identischen Reaktor, der allerdings nie ans Netz gegangen ist.

Fazit: „Restrisiko“ ist ein gut gemachter, spannender Film, der für Diskussionsstoff sorgt.

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Brunsbüttel-Comeback verzögert sich weiter

Juni 23rd, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Im Gegensatz zum Atomkraftwerk Krümmel, das gestern nach zwei Jahren Stillstand wieder hochgefahren wurde, geht Brunsbüttel vorerst nicht zurück ans Netz. Laut Vattenfall, Betreiber-Unternehmen des Kernkraftwerkes nördlich von Hamburg, kommt es derzeit noch zu Verzögerungen bei den Wartungsarbeiten.

„Ich hoffe auf eine Wiederinbetriebnahme noch in diesem Jahr. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass sie sich bis nächstes Jahr verschieben wird“, so Tuomo Hatakka, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe.

Brunsbüttel musste im Sommer 2007, fast zeitgleich mit Krümmel, zunächst aufgrund eines Kurzschlusses heruntergefahren werden. In der Folge wurden erhebliche Mängel am Bau der Anlage bekannt, woraufhin das Atomkraftwerk komplett vom Netz genommen wurde.

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Jährliche Wartung: Brokdorf geht vom Netz

Juni 1st, 2009 · 1 Kommentar

Von: David Lorenz

Nachdem vor rund vier Wochen bereits das Atomkraftwerk in Grohnde routinemäßigen Wartungsarbeiten unterzogen wurde, ging gestern Abend nun auch Brokdorf für die jährlich durchzuführende Revision vom Netz.

Das zuständige Sozialministerium Schleswig-Holsteins gab in Kiel bekannt, dass 56 der 193 im Reaktorkern befindlichen Brennelemente ausgetauscht werden sollen. Daneben müssen fällige Instandhaltungsmaßnahmen umgesetzt, sowie die Sicherheitslage des Kernkraftwerkes einer genauen Prüfung unterzogen werden.

Das Atomkraftwerk an den Ufern der Elbe wird aufgrund der Revision insgesamt einen Monat lang keinen Strom produzieren. Damit befindet sich Brokdorf in prominenter Gesellschaft, denn die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel im Norden Deutschlands befinden sich seit Störfällen aus dem Jahr 2007 ebenfalls nicht am Netz.

Brokdorf gehört zu 80 Prozent dem Betreiber-Konzern E.ON und zu 20 Prozent dem schwedischen Energie-Riesen Vattenfall. Seit 1986 ist das Kernkraftwerk in Betrieb und soll laut Atomkonsens planmäßig im Jahre 2018 abgeschaltet werden.

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Atomstrom: 2008 wichtigste Energiequelle Deutschlands

Mai 23rd, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Trendwende auf dem Strommarkt. Im Jahr 2008 stieg der Atomstrom-Anteil am deutschen Energiemix von 22,3 Prozent aus dem Vorjahr auf 23,5 Prozent an. Auch Erzeugnisse aus Erdgas sowie von Wind-, Wasser,- und Biomasse-Kraftwerken nahmen nach einem vorläufigen Ergebnis des Bundesverbandes für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dem unter Anderem die größten Betreiber-Konzerne wie RWE, Vattenfall, E.ON und EnBW angehören, um etwa 13 Milliarden Kilowattstunden zu, während Braun- und Steinkohle-Kraftwerke zum Teil deutlich weniger Strom produzierten als noch 2007.

Insgesamt wurden in Deutschland 2008 599,3 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert, was einem Plus von lediglich 400 Millionen Kilowattstunden im Vergleich zu 2007 entspricht. Grund für die nur marginale Zunahme ist laut BDEW-Vorsitzender Hildegrard Müller der Konjunktureinbruch aus dem letzten Quartal 2008.

Die Kernenergie stellt durch das Ergebnis den größten Anteil am deutschen Strommarkt und löst somit den bisherigen Spitzenreiter, die Braunkohle, ab. Wichtigster Grund für die Trendwende ist die Tatsache, dass 2007 mehrere Atomkraftwerke aufgrund von Störfällen nicht am Netz waren (Biblis, Krümmel, Brunsbüttel). Im Februar 2008 wurde Biblis wieder in Betrieb genommen, was den Atomstrom-Anteil am deutschen Energiemix stark beeinflusste.

Vattenfall plant derweil noch für dieses Jahr die Reaktoren in Krümmel und Brunsbüttel nach umfangreichen Revisionsarbeiten wieder ans Netz zu nehmen, was den Anteil an Atomstrom-Erzeugnissen im Vergleich zur Braun- und Steinkohle weiter erhöhen würde.

Energiemix in Deutschland (2008) in Milliarden Kilowattstunden:

  • Kernenergie: 140,8
  • Braunkohle: 138,3
  • Steinkohle: 114,4
  • Erneuerbare Energien: 90,9
  • Erdgas: 83,2
  • Sonstige: 31,8

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Absage an Vattenfall: Brunsbüttel ohne zusätzliche Kapazitäten

Mai 6th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Das Bundesumweltministerium unter Minister Sigmar Gabriel (SPD) hat einen Antrag des Betreibers Vatenfall abgelehnt, dem Atomkraftwerk Brunsbüttel eine verlängerte Laufzeit zuzugestehen.

Als Begründung nannte Gabriel das hohe Alter des Reaktors und fehlende Sicherheitsreserven. Vattenfall hatte angestrebt, Reststrommengen vom Kernkraftwerk Krümmel auf Brunsbüttel zu übertragen. Beide Meiler sind derzeitig aufgrund andauernder Wartungsarbeiten außer Betrieb.

Laut dem so genannten Atomkonsens, 2000 unter Rot-Grün beschlossen und seit 2002 in Kraft, dürfen Reststrommengen nur unter Zustimmung des Bundesumweltministeriums auf ältere Atomkraftwerke übertragen werden. Bereits vor gut einem Monat hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einen Antrag Vattenfalls abgelehnt, Kapazitäten vom Kernreaktor in Mülheim-Kärlich auf Brunsbüttel zu übertragen. Ähnlichen Anfragen von RWE und EnBW wurde zuvor ebenfalls nicht stattgegeben, die Entscheidung war also abzusehen.

Das Geschacher um längere Laufzeiten hat neben der wirtschaftlichen Komponente auch einen politischen Hintergrund. Die Betreiber-Konzerne der Bundesrepublik spekulieren auf einen Regierungswechsel bei der Bundestagswahl 2009. Falls es zu einer Mehrheit von CDU/CSU und FDP kommen sollte, könnte der Atomindustrie hierzulande eine Renaissance widerfahren. Politiker von Schwarz-Gelb betonten in der Vergangenheit immer wieder, die ehrgeizigen Klimaschutz-Ziele Deutschlands seien ohne einen erheblichen Anteil an Atomstrom nicht zu verwirklichen.

Vattenfall ließ derweil verlauten, im Falle des verweigerten Kapazitäten-Transfers vors Oberverwaltungsgericht von Schleswig-Holstein zu ziehen. „Wir werden den Bescheid des Umweltministeriums juristisch prüfen lassen“, so eine Sprecherin des Unternehmens. 

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Betreiber von Atomkraftwerken in Deutschland: E.ON

Mai 2nd, 2009 · 3 Kommentare

Von: David Lorenz

Im zweiten Teil der Betreiber-Serie auf atomstrom-info soll nach RWE heute E.ON vorgestellt werden, der größte Energie-Lieferant Deutschlands.

E.ON wurde im Juni 2000 durch eine Fusion der Konzerne VEBA und VIAG gegründet. Der Firmensitz befindet sich in Düsseldorf und das Unternehmen ist an der Börse notiert. Zu den Kernkompetenzen der Aktiengesellschaft gehört der Handel mit Gas und Elektrizität an Endverbraucher sowie Industrie und Handel. Teils stammt der Strom aus eigenen Atomkraftwerken, teils wird er in großen Mengen aus dem Ausland hinzugekauft.

Die Distributionswege von E.ON funktionieren bevorzugt über Zwischenhändler auf regionaler Ebene, zu den wichtigsten Märkten des Unternehmens gehören Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Österreich, die Niederlande, Tschechien, Rumänien und die Slowakei.

Der Energie-Riese beschäftigt aktuell rund 93.500 Mitarbeiter und konnte 2008 einen Umsatz von 87,65 Milliarden Euro erwirtschaften.

Seit Dezember 2005 sind alle Energieversorgungs-unternehmen in Deutschland dazu verpflichtet, die Herkunft ihres Stroms auszuweisen. Für E.ON waren das im Jahr 2007 folgende Werte:

  • Erneuerbare Energieträger: 14 Prozent
  • Kernenergie: 38,5 Prozent
  • Fossile Energieträger: 47,5 Prozent

Das Unternehmen betreibt mittels der Tochtergesellschaft E.ON Kernkraft GmbH folgende aktive Atomkraftwerke in Deutschland:

  • Brokdorf
  • Grafenrheinfeld
  • Grohnde
  • Isar 1 und 2
  • Unterweser
  • Grundremmingen B und C
  • Brunsbüttel
  • Krümmel
  • Emsland

Daneben verfügt E.ON über mehrere Gas-, Öl-, Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke sowie drei Biomasse- und ein Hybridkraftwerk. Außerdem ist das Unternehmen in Besitz eines eigenen Stromnetzes.

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Antrag abgelehnt: Brunsbüttel geht planmäßig vom Netz

April 8th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Restlaufzeit-Übertragungen von Atomkraftwerken bleiben vorerst eingeschränkt. Vorvergangene Woche lehnte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einen Antrag von Betreiber Vattenfall ab, Reststrommengen des stillgelegten Atom-Meilers in Mülheim-Kärlich auf das Kernkraftwerk in Brunsbüttel zu übertragen.

Grundlage des Antrages von Vattenfall waren offene 15 Milliarden Kilowattstunden Strom, die das AKW in Mülheim-Kärlich noch produzieren durfte. Da der Meiler 1988 nach nur zwei Jahren stillgelegt werden musste, wurden die Reststrommengen auf die Kernkraftwerke in Brokdorf und Emsland überschrieben. Damals stand Brunsbüttel nicht als weiterer Empfänger von restlichen Kontingenten auf dem Plan. Das Bundesumweltministerium argumentierte jetzt mit dem hohen Alter des Meilers (1976/77) gegen eine nachträgliche Übertragungs-Kapazität.

Die Reaktionen auf das Urteil fielen in der Politik derweil unterschiedlich aus. Während Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) den Beschluss begrüßte, wurde aus Schleswig-Holstein Kritik laut. Werner Marnette (CDU), inzwischen zurückgetretener Wirtschaftsminister des Bundeslandes, bezeichnete laut einem Bericht des Hamburger Abendblattes die Entscheidung als „schweren Rückschlag für Klimaschutz und Wirtschaft“. Ein fristgerechtes Abschalten von kostengünstigen Atomkraftwerken würde zu höheren Energiepreisen führen.

Das AKW Brunsbüttel wird nach dem Gerichtsbeschluss nun, wie im Atomkonsens aus dem Jahre 2000 vereinbart, noch elf Milliarden Kilowattstunden Strom produzieren und dann vom Netz gehen. Der genaue Zeitpunkt lässt sich jedoch noch nicht bestimmen, da das Kernkraftwerk seit einem Zwischenfall im Sommer 2007 stillgelegt ist. Ein Termin für die erneute Inbetriebnahme steht noch nicht fest. Die noch offene Reststrommenge würde in ca. 22 Monaten produziert werden.

Vattenfall und auch RWE, das ähnliche Pläne mit Biblis A verfolgt, machten indessen deutlich, auch weiterhin vehement für längere Laufzeiten ihrer Kernkraftwerke zu kämpfen.

Spätestens nach der Bundestagswahl im September dürfte bei einer veränderten Sitzverteilung im Parlament Bewegung in die Sache kommen.

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