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David Lorenz
Die Panne von Krümmel aus der vergangenen Woche hat direkten Einfluss auf das Bewusstsein der Deutschen im Hinblick auf ältere Atomkraftwerke. Eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes Emnid im Auftrag der „Bild am Sonntag“ kann jetzt zu dem Ergebnis, dass rund 72 Prozent der Bundesbürger für eine sofortige Abschaltung des Kernkraftwerkes in Krümmel sowie anderer älterer Atommeiler sind. Nur 26 Prozent der Befragten sind für einen Verbleib von Krümmel & Co. am deutschen Stromnetz.
Währenddessen rückt die zukünftige Nutzung von Atomstrom mitten ins Zentrum des diesjährigen Bundestagswahlkampfes. Während SPD, Grüne und die Linke geschlossen für einen Atomausstieg bis ins Jahr 2020 oder sogar früher eintreten, und damit laut der Emnid-Umfrage den Nerv der Wähler treffen, setzen sich CDU, CSU und die FDP nach wie vor mehrheitlich für verlängerte Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke ein.
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) machte sich jüngst für individuelle Laufzeiten der einzelnen Kernkraftwerke stark. „Die Laufzeiten sollen zukünftig streng nach den vorliegenden Sicherheitskriterien festgelegt werden“, so Wulff gegenüber der Online-Ausgabe der „WELT“. Pannen wie die in Krümmel müssten sorgfältig untersucht und aufgeklärt werden. „Kraftwerke, die sicher sind und bei denen es keinen Zweifel am neuesten Stand der Technik gibt, sollen weiter betrieben werden“, so der 50-Jährige.
Roland Koch (CDU) geht sogar noch einen Schritt weiter. Der hessische Ministerpräsident forderte gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ unbegrenzte Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland. „Wir wollen alle politischen Laufzeitbeschränkungen aufheben. Die Frage, wie lange ein Kernkraftwerk sicher ist, soll nach dem Stand von Wissenschaft und Technik entschieden werden - der TÜV und nicht Herr Gabriel soll das bestimmen.“
Gleichzeitig übte Koch allerdings harsche Kritik an der missglückten Kommunikationspolitik von Seiten des Betreibers im Falle Krümmel. „Die Dummheit der Energiekonzerne in ihrer Kommunikation ist kaum noch beschreibbar. Konzerne wie Vattenfall machen sich so unfreiwillig selbst zu den größten Gegnern der Kernkraft.“
SPD-Chef Franz Müntefering setzte sich währenddessen lautstark für eine Stilllegung des Pannenreaktors an der Elbe ein. „Was in Krümmel passiert stinkt zum Himmel. Legt das Ding endlich still.“
Vattenfall sieht sich mittlerweile von einer nationalen Kampagne gegen das Unternehmen bedroht. Gegenüber dem „Focus“ äußerste sich Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka mit deutlichen Worten. „Ich warne ausdrücklich vor einem Anti-Atomwahlkampf auf unsere Kosten. Das Ereignis in Krümmel jetzt zu instrumentalisieren, ist unverantwortlich. Der Kurzschluss war ein bedauerlicher Einzelfall und die Sicherheitslage des Reaktors war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Einige Politiker versuchen jetzt, mit den Ängsten der Menschen in diesem Land auf Stimmenfang zu gehen.“
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David Lorenz
Ähnlich der Situation in Armenien muss Litauen im kommenden Jahr das Kernkraftwerk Ignalina aufgrund seines hohen Alters (Inbetriebnahme: 1984) sowie diverser Baumängel auf Anordnung der EU vom Netz nehmen. Das baltische Atomkraftwerk, das die Länder Litauen, Estland, Lettland und Polen mit Strom versorgt, hat mittlerweile nur noch einen von ursprünglich zwei Reaktoren in Betrieb. Bereits 2004 wurde der erste Block heruntergefahren.
Da Litauen eine große Abhängigkeit von der Nutzung atomaren Stroms aufweist, ist schon seit geraumer Zeit der Bau eines neuen Kernkraftwerkes am selben Standort geplant. Ohne ausreichende Kapazitäten an eigenen Energiequellen würde das Land in extreme Abhängigkeiten von russischen Strom-Importen schlittern, was die Regierung um Ministerpräsident Andrius Kubilius unbedingt verhindern will. Daher sollen bereits im Jahr 2018 zwei Reaktoren mit einer Leistung von zusammengerechnet 3.200 Megawatt in Betrieb genommen werden.
Aufgrund interner Streitigkeiten zwischen den beteiligten Nationen steht ein Abschluss des ehrgeizigen Projektes momentan allerdings noch auf der Kippe. Lettlands Staatschef Valdis Dombrovskis weiß wegen etlichen offenen Fragen den Optimismus seines litauischen Amtskollegen nicht zu teilen und geht frühestens für das Jahr 2025 mit einer Fertigstellung der Anlage aus.
Der deutsche Strom-Konzern E.ON sowie das schwedische Energie-Unternehmen Vattenfall sollen derweil bereits Interesse an einer Inbetriebnahme des neuen Atomkraftwerkes bekundet haben.
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Der schwedische Stromerzeuger Vattenfall steht vor einem unfreiwilligen Strategiewechsel. Dem staatseigenen Unternehmen wurde von der Regierung Schwedens auferlegt, zukünftig vermindert auf die Energiegewinnung aus Kohlekraftwerken zu setzen.
Vor allem die zahlreichen Braun- und Steinkohlekraftwerke im europäischen Ausland, speziell in Deutschland, zogen jüngst den Unmut der schwedischen Wirtschaftsministerin Maud Oloffson auf sich, die konkret die Pläne Vattenfalls zum Neubau eines Kohlekraftwerkes in Hamburg-Moorburg kritisierte. “In Zukunft werden wir umfangreiche Handlungsanweisungen für die Umstellung auf umweltfreundliche Technik geben”, so die Ministerin laut Financial Times Deutschland (FTD).
Ein Sprecher des in Stockholm ansässigen Konzerns ließ daraufhin verlauten, man werde die Direktiven des Staates umsetzen, auch wenn es sich nicht einfach gestalten werde, kurzfristig komplett auf erneuerbare Energien umzusatteln.
Vattenfall, in der Bundesrepublik hinter E.ON und RWE drittgrößtes Betreiber-Unternehmen, gewinnt in Deutschland einen Großteil seines Stroms aus fossilen Energieträgern, während der Konzern in Schweden lediglich auf Atom-, Wasser- und Windkraft setzt.
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David Lorenz
Das Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim kommt nicht zur Ruhe. Nachdem vergangenen Monat bereits erhebliche Sicherheitsmängel am ältesten französischen Kernreaktor festgestellt wurden, traten letzte Woche nun große Teile der Belegschaft mit Forderungen auf mehr Lohn in den Streik.
Die daraus resultierenden Arbeits-Ausfälle beeinträchtigen auch notwendige Instandsetzungsmaßnahmen. Noch ist die allgemeine Sicherheitslage des Atomkraftwerkes allerdings nicht gefährdet, so ein Sprecher der zuständigen Gewerkschaft. Der Verband fordert für seine Mitglieder insgesamt fünf Prozent mehr Lohn sowie eine einmalige Sonderprämie von 1.500 Euro. Für das französische Betreiber-Unternehmen Electricité de France (EdF) bedeutet der Streik empfindliche finanzielle Einbußen, da der Reaktor aufgrund fehlender Arbeitskräfte momentan nicht seine volle Leistung erbringen kann. Die Streikenden sehen sich aufgrund dieser Tatsache in einer starken Verhandlungsposition. Derzeitig lehnt der Energie-Gigant jedoch alle Gespräche mit der Gewerkschafts-Vertretung kategorisch ab.
Mittlerweile wurde der Streik auf neun weitere Kernkraftwerke Frankreichs ausgeweitet. Damit sind mehr als die Hälfte der 19 Anlagen in Europas führender Atomenergie-Nation betroffen.
Unter Kernkraftgegnern stoßen die fehlenden Ansätze auf eine Konfliktlösung von Seiten EdF’s derweil auf Kritik und Unverständnis. Schließlich genießt Fessenheim in Hinblick auf Pannen und Störfalle nicht erst seit vergangenem Monat den zweifelhaften Ruf eines anfälligen Atomkraftwerkes.
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David Lorenz
Der schwedische Kraftwerkbetreiber Svensk Kärnbränslehantering (SKB) ist bei der Suche nach einem geeigneten Standort für die Endlagerung radioaktiver Abfälle fündig geworden. Bei Forsmark, etwa 200 Kilometer von Stockholm entfernt, soll in rund 500 Metern Tiefe die erste Lagerstätte Schwedens errichtet werden. Ausschlaggebend für die Wahl des Standortes waren die günstigen geologische Beschaffenheiten sowie die unmittelbare Nähe zum Atomkraftwerk Forsmark in der 23.000 Einwohner zählenden Gemeinde Östhammar. Das Endlager soll im Stande sein, atomare Rückstande für mindestens 100.000 Jahre risikofrei zu verwahren.
„Die langfristige Sicherheit war ausschlaggebend bei der Wahl“ so Claes Thegerstrom, Chef des Betreiber-Unternehmens. „Der Felsuntergrund ist sehr gleichmäßig und es gibt nur wenig fließendes Wasser.“
Als Termin für die Inbetriebnahme wurde ein Zeitraum zwischen 2022 und 2024 angegeben. Dem Bauantrag muss jedoch eine nötige Zulassung voraus gehen, deren Genehmigung etwa ein Jahr in Anspruch nehmen würde. Spätestens bis 2013 rechnet SKB dann mit einer Entscheidung der schwedischen Regierung.
In Schweden findet, vergleichbar mit Deutschland, derzeit eine öffentliche Diskussion um die Aufhebung des 1980 beschlossenen Atomausstieges statt. Momentan stammen rund 45 Prozent aller schwedischen Stromerzeugnisse aus der Kernenergie.
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David Lorenz
Weiterer Rückschlag für den Energie-Riesen Vattenfall. Nachdem das Bundesumweltministerium vor rund zwei Wochen bereits eine Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerkes Brunsbüttel in Schleswig-Holstein abgelehnt hatte, musste der Betreiber nun einen Zwischenfall melden. Während Probeläufen des aktuell aufgrund von Revisionsarbeiten stillgelegten Kernkraftwerkes wurde ein Leck am Kühlsystem des Reaktors festgestellt.
Für das Unternehmen kommt die Panne zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da Brunsbüttel unter großem Aufwand noch in diesem Jahr wieder ans Netz gehen sollte. Seit Juli 2007 ist der Atommeiler aufgrund eines Kurzschlusses sowie verschiedener Baumängel außer Betrieb.
Beim aktuellen Vorfall handelt es sich um ein meldepflichtiges Ereignis der Kategorie N (Normalfall). Laut Vattenfall hatte das Leck keinen Einfluss auf den Kühlprozess als Ganzen. Die betroffenen Gerätschaften seien inzwischen durch Neue ersetzt worden.
Schlagworte: · Atomkraftwerk, Atommeiler, Betreiber, Kernkraftwerk, Panne, Vattenfall
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David Lorenz
Im finnischen Olkiluoto wird momentan das erste westeuropäische Kernkraftwerk seit der Tschernobyl-Katastrophe errichtet. Jetzt muss die Arbeit aufgrund nicht unerheblicher Sicherheitsmängel teilweise eingestellt werden, so verfügte es die zuständige Aufsichtsbehörde für Strahlenschutz.
Das Prestigeobjekt um die deutsch-französischen Bauherren Siemens und Areva sowie den finnischen Betreiber TVO sollte bereits vor drei Jahren fertig gestellt werden, hatte aber immer wieder mit bautechnischen Schwierigkeiten zu kämpfen und wird laut aktuellen Plänen erst 2012 ans Netz gehen.
Doch auch dieser Termin droht jetzt zu platzen. Laut der Strahlenschutzbehörde weisen mehrere Schweißnähte an Röhren für die Kühlwasserzufuhr zum Reaktor Risse auf. Diese seien zum Teil materialbedingt, zum Teil Ursache fehlerhafter Verarbeitung.
„Wir werden alles unternehmen um die Probleme zu lösen und die finnischen Behörden zu informieren“, so eine Sprecherin von Areva über den Vorfall. „Bis auf die Schweißarbeiten geht der Bau des Reaktors aber weiterhin wie geplant von statten.“
Greenpeace drängt unterdessen auf einen sofortigen Entzug der Baugenehmigung. „Dieser neue Zwischenfall macht deutlich, dass Areva nicht in der Lage ist, einen Atomreaktor zu bauen“, so ein Sprecher der Umweltschutzorganisation.
Für Siemens ist das Projekt derweil längst nicht mehr profitabel. Aufgrund wiederholter Verzögerungen und Schwierigkeiten am Bau musste der Münchner Konzern bereits mehrere hundert Millionen Euro abschreiben. Zudem gab es immer wieder Streitigkeiten mit Areva über Schuld und Verantwortung an den Problemen.
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David Lorenz
Die Wirtschaftskrise macht auch vor dem hyperrentablen Energie-Sektor nicht halt
Das musste im letzten Quartal Branchen-Primus E.ON schmerzhaft erfahren. Im Vergleich zum vergangenen Jahr wurde der Überschuss von Januar bis März zwar um 2,5 Milliarden Euro gesteigert (ein Plus von 17 Prozent), doch das ist lediglich stichtagsbezogenen Derivatsgeschäften zu verdanken. Ohne diese Erträge wäre der Gewinn um zwei Prozent auf 1,8 Milliarden Euro geschrumpft.
Im Vergleich zu anderen Branchen handelt es sich dabei sicherlich um Jammern auf hohem Niveau, doch der Energie-Wirtschaftszweig war in den vergangenen Jahren stets für neue Super-Zahlen und Rekordgewinne verantwortlich und schien von der Finanzkrise lange nicht betroffen zu sein.
Neben der weltweiten Rezession gibt es einen weiteren Grund für die stagnierenden Zahlen von E.ON: stillstehende Atomkraftwerke sowie ein Absatz-Einbruch auf dem Gas-Markt.
Dennoch konnte der Energie-Riese zuletzt seinen Umsatz um 14 Prozent auf 25,9 Milliarden Euro steigern. Für das laufende Geschäftsjahr geht die Konzern-Führung von ähnlichen Zahlen wie 2008 aus. Aufgrund der aktuell unsicheren Lage ist die Prognose allerdings möglichen Schwankungen ausgesetzt.
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David Lorenz
Investitions-Pläne deutscher Energie-Konzerne im europäischen Ausland haben Hochkonjunktur.
Nachdem bereits ein Gemeinschaftsunternehmen um die Betreiber E.ON und RWE in Großbritannien den Strommarkt aufmischen will, gibt es weitere Expansions-Bemühungen zu vermelden. E.ON möchte sich Medienberichten zufolge in das französische Kernkraftwerk bei Penly (Normandie) einkaufen.
„Wir diskutieren mit E.ON über einen Austausch von Aktiva“, so der Chef des französischen Stromanbieters EDF, Pierre Gadonneix, am vergangenen Dienstag gegenüber dem Pariser Wirtschaftsblatt „Les Echos“.
Für EDF hat die Beteiligung auch einen politischen Hintergrund, da durch die Zusammenarbeit mit E.ON der Vorwurf entkräftet werden könnte, Frankreich würde seinen Strommarkt für Investitionen aus dem Ausland abriegeln. Der Staatskonzern hält in der Grande Nation quasi die Monopolstellung auf dem Energie-Sektor. Daneben ist EDF mit Investitionen in Großbritannien, der Schweiz, Italien, Belgien und Deutschland teils mit starken Markt-Positionen ausgestattet.
E.ON, deutscher Marktführer in Sachen Energieversorgung, plant derweil, die nationale Konkurrenz mit ins Boot zu holen. EnBW soll laut Bestrebungen des Unternehmens mit 500 Megawatt Atomstrom am Projekt in Frankreich beteiligt werden. Insgesamt würde der Verbund etwa 8,5 Prozent an dem Kernkraftwerk erwerben.
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David Lorenz
Das Atomkraftwerk in Krümmel ist seit knapp zwei Jahren aufgrund von andauernden Sanierungsarbeiten außer Betrieb. Im Juni 2007 kam es in dem Kernreaktor zu einem Transformatorbrand, der schwerwiegende Schäden an der Anlage verursachte.
Die Reparaturarbeiten stehen laut Vattenfall, Berteiber des Krafwerks, kurz vor dem Abschluss. In den kommenden Wochen soll ein Antrag auf die Wiederinbetriebnahme des Reaktors bei den zuständigen Stellen eingereicht werden.
„Weil wir bisher einen konstruktiven Dialog mit der Genehmigungsbehörde gehabt haben, gehe ich davon aus, dass wir den Reaktor ab diesem Sommer wieder hochfahren können“, so Tuomo Hatakka, Chef des Energiekonzerns, gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“.
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