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Alicia
Fast ein Vierteljahrhundert nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und ein paar Monate nach dem Beschluss der Regierung, aus dem Atomausstieg auszusteigen, erinnert Sat1 heute Abend an die Möglichkeit eines GAUs auch in deutschen Kernkraftwerken.
Ulrike Folkerts spielt Katja Wernecke, Sicherheitschefin eines norddeutschen Atomkraftwerks. Sie will den GAU aufklären, den sie mitverschuldet hat, und läuft mit knatterndem Strahlenmessgerät durch das menschenleere Hamburg. Die einstige Atomkraftverfechterin Wernecke stellt sich im couragierten Thriller „Restrisiko“ ihrer Verantwortung, sich wider alle Vernunft dafür eingesetzt zu haben, dass ein völlig veralteter Meiler länger am Netz bleibt.
Der Thriller „Restrisiko“ übt überraschend deutliche Kritik an der Atomindustrie. Parallelen zum Problemreaktor Brunsbüttel sind beabsichtigt: Oldenbüttel ist der Name des Atomkraftwerks, das im Film in die Luft geht. Gedreht wurde im österreichischen AKW Zwentendorf, einem mit Brunsbüttel identischen Reaktor, der allerdings nie ans Netz gegangen ist.
Fazit: „Restrisiko“ ist ein gut gemachter, spannender Film, der für Diskussionsstoff sorgt.
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David Lorenz
Seit 30 Jahren kommt Italien ohne Atomstrom aus. Geht es nach Regierungschef Silvio Berlusconi, so hat diese Zeit bald ein Ende. Die italienische Regierung plant Zeitungsberichten zufolge für das Jahr 2013 den Bau von vier neuen Kernkraftwerken.
Das erste Atomkraftwerk soll dabei in unmittelbarer Nähe von Venedig errichtet werden, in Chioggia, ca. 30 Kilometer von der Touristenhochburg entfernt. Einer internen Liste des Stromversorgers Enel zufolge soll es sich bei den anderen Standorten um Monfalcone, Corso und Trino Vercellese handeln.
Direkt nach bekannt werden der angeblichen Atompläne schlugen italienische Umweltaktivisten und Bürgerinitiativen Alarm. Auch der Präsident der italienischen Grünen äußerte sich warnend zu dem Vorhaben. „Die Regierung Berlusconi führt Italien in ein gefährliches Abenteuer, für das die Italiener einen hohen Preis zahlen werden. Die 20 Milliarden Euro für den Bau der neuen Atomkraftwerke werden die Italiener zahlen müssen“, so Andrea Bonelli. Auch im benachbarten Österreich riefen die berlusconischen Planspiele heftige Reaktionen hervor. Hohe Regierungsbeamte zeigten sich „schockiert“ und „alarmiert“ ob dem italienischen Atomvorhaben.
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David Lorenz
Von 1998 bis 2005 Bundesminister für Umwelt: Jürgen Trittin
„Der Ausbau der erneuerbaren Energie wird durch die Verlängerung der Atomkraft ausgebremst. Die von Schwarz-Gelb als Brückentechnologie verkaufte Atomkraft bricht in Wahrheit die Brücke in das Solarzeitalter ab.“
Jürgen Trittin, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, gegenüber der „Financial Times Deutschland“.
(Photo by gruenenrw | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
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David Lorenz
Das Kernkraftwerk Emsland im niedersächsischen Lingen ist wieder in Betrieb. Nachdem die Anlage vorvergangene Woche aufgrund eines defekten Maschinentrafos abgeschaltet werden musste, konnte das Atomkraftwerk dank erfolgreichen Funktionstests am gestrigen Montag wieder ans Netz gehen.
Der Wiederinbetriebnahme war ein Streit zwischen zuständigem Landesumweltministerium und dem Bundesumweltministerium um Sigmar Gabriel (SPD) vorangegangen. Erst am Wochenende erhielt der Betreiberkonzern RWE grünes Licht, das Kernkraftwerk wieder hochzufahren.
Laut RWE produziert der 1988 in Betrieb genommene 1400-Megawatt-Reaktorblock jährlich rund elf Milliarden Kilowattstunden Atomstrom.
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David Lorenz
Ungewohnt deutlich äußerste sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu den jüngsten Vorfällen im Atomkraftwerk Krümmel. „Es kann einem schon der Zorn ins Gesicht steigen“, so Merkel gegenüber der ARD. „Ich bin sehr, sehr unzufrieden mit der Situation, dass es auch nach zwei Jahren Reparaturen an dem Atommeiler wieder zu Zwischenfällen kam.“
Merkel geht somit erstmals öffentlich auf Konfrontationskurs zu Vattenfall, dem schwedischen Betreiberkonzern des pannengeplagten Kernkraftwerkes. Die großen Vorbehalte in der deutschen Bevölkerung gegenüber der Nutzung von Kernenergie haben sich durch die aktuellen Störfalle in Krümmel zuletzt weiter verstärkt. Für CDU/CSU und FDP kommt die jüngste Anti-Atomkraft-Stimmung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da ursprünglich mit verlängerten Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke und einer Atomstrom-Renaissance für die Bundestagswahlen im kommenden September geworben werden sollte.
Die Kanzlerin musste zudem fehlende Fortschritte bei der Deponierung von radioaktiven Abfällen einräumen. „Die Endlagerungsfrage ist leider ungeklärt“, gestand Merkel ein. Allerdings machte sie dafür zu einem großen Teil Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sowie die zahlreichen Atomkraftgegner in Deutschland verantwortlich, die den Ausbau des Zwischenlagers in Gorleben zu einem Endlager durch die Suche nach alternativen Standorten verzögern würden. „Wir hätten weit kommen können, wenn der Umweltminister es gewollt hätte“, so die Bundeskanzlerin.
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David Lorenz
Panne mit Folgen: Nach dem Störfall im Atomkraftwerk Krümmel laufen Vattenfall die Kunden davon. In den betroffenen Gebieten rund um Hamburg verzeichneten Ökostrom-Anbieter wie Lichtblick, Greenpeace Energy AG oder Naturstrom erhebliche Neukunden-Zuwachsraten. So verbuchte beispielsweise Lichtblick im direkten Anschluss an den Zwischenfall täglich rund 500 neue Abnehmer - anstatt der üblichen 300. Auch Greenpeace gewann jeden Tag etwa 80 bis 90 Haushalte hinzu, die Vattenfall den Rücken kehrten.
Der schwedische Energie-Riese selbst wollte die Wechsel-Welle bisher nicht bestätigen, da aufgrund des bürokratischen Aufwandes erst im August Angaben zu abgewanderten Kunden gemacht werden können.
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David Lorenz
Die Reaktion von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf die Kritik des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) lies nicht lange auf sich warten. Nachdem Koch eine unbegrenzte Laufzeit deutscher Kernkraftwerke gefordert hatte und die Atomausstiegs-Bemühungen Gabriels heftig kritisierte, fand dieser gegenüber dem „Hessischen Rundfunk“ deutliche Worte: „Personen wie Roland Koch, die am lautesten nach einem Festhalten an der Atomenergie rufen, scheuen wie der Teufel das Weihwasser, wenn man in ihrem Bundesland nach möglichen Endlagerungsstätten für Atommüll sucht.“
Auch nannte Gabriel die Bestrebungen von Union und FDP, ältere deutsche Atommeiler weiterhin zu betreiben, einen Skandal. Dies diene lediglich den Interessen der Atomwirtschaft und berge ein großes Sicherheitsrisiko. Abermals machte Gabriel deutlich, dass er eine zentrale Atomaufsicht sowie den vorgezogenen Atomausstieg für die Zukunft Deutschlands als unumgänglich betrachtet.
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David Lorenz
Die Panne von Krümmel aus der vergangenen Woche hat direkten Einfluss auf das Bewusstsein der Deutschen im Hinblick auf ältere Atomkraftwerke. Eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes Emnid im Auftrag der „Bild am Sonntag“ kann jetzt zu dem Ergebnis, dass rund 72 Prozent der Bundesbürger für eine sofortige Abschaltung des Kernkraftwerkes in Krümmel sowie anderer älterer Atommeiler sind. Nur 26 Prozent der Befragten sind für einen Verbleib von Krümmel & Co. am deutschen Stromnetz.
Währenddessen rückt die zukünftige Nutzung von Atomstrom mitten ins Zentrum des diesjährigen Bundestagswahlkampfes. Während SPD, Grüne und die Linke geschlossen für einen Atomausstieg bis ins Jahr 2020 oder sogar früher eintreten, und damit laut der Emnid-Umfrage den Nerv der Wähler treffen, setzen sich CDU, CSU und die FDP nach wie vor mehrheitlich für verlängerte Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke ein.
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) machte sich jüngst für individuelle Laufzeiten der einzelnen Kernkraftwerke stark. „Die Laufzeiten sollen zukünftig streng nach den vorliegenden Sicherheitskriterien festgelegt werden“, so Wulff gegenüber der Online-Ausgabe der „WELT“. Pannen wie die in Krümmel müssten sorgfältig untersucht und aufgeklärt werden. „Kraftwerke, die sicher sind und bei denen es keinen Zweifel am neuesten Stand der Technik gibt, sollen weiter betrieben werden“, so der 50-Jährige.
Roland Koch (CDU) geht sogar noch einen Schritt weiter. Der hessische Ministerpräsident forderte gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ unbegrenzte Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland. „Wir wollen alle politischen Laufzeitbeschränkungen aufheben. Die Frage, wie lange ein Kernkraftwerk sicher ist, soll nach dem Stand von Wissenschaft und Technik entschieden werden - der TÜV und nicht Herr Gabriel soll das bestimmen.“
Gleichzeitig übte Koch allerdings harsche Kritik an der missglückten Kommunikationspolitik von Seiten des Betreibers im Falle Krümmel. „Die Dummheit der Energiekonzerne in ihrer Kommunikation ist kaum noch beschreibbar. Konzerne wie Vattenfall machen sich so unfreiwillig selbst zu den größten Gegnern der Kernkraft.“
SPD-Chef Franz Müntefering setzte sich währenddessen lautstark für eine Stilllegung des Pannenreaktors an der Elbe ein. „Was in Krümmel passiert stinkt zum Himmel. Legt das Ding endlich still.“
Vattenfall sieht sich mittlerweile von einer nationalen Kampagne gegen das Unternehmen bedroht. Gegenüber dem „Focus“ äußerste sich Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka mit deutlichen Worten. „Ich warne ausdrücklich vor einem Anti-Atomwahlkampf auf unsere Kosten. Das Ereignis in Krümmel jetzt zu instrumentalisieren, ist unverantwortlich. Der Kurzschluss war ein bedauerlicher Einzelfall und die Sicherheitslage des Reaktors war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Einige Politiker versuchen jetzt, mit den Ängsten der Menschen in diesem Land auf Stimmenfang zu gehen.“
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David Lorenz
Nach einer aktuellen Studie des Ökoinstitutes geht die Rechnung von günstigen Strompreisen bei einer gleichzeitigen Laufzeiten-Verlängerung deutscher Atomkraftwerke möglicherweise nicht auf.
Die Studie hat laut dem „Handelsblatt“ Strompreise im europäischen Ausland mit Atomstrom-Anteilen der betroffenen Länder verglichen. So weist Frankreich beispielsweise mit einem hohen Atomstrom-Anteil am nationalen Energie-Mix einen relativ günstigen Strompreis auf. In Belgien dagegen, wo Atomstrom einen ähnlich hohen Anteil am Energie-Markt wie in Frankreich stellt, ist der Strom besonders teuer. Laut dem Ökoinstitut könne daher „kein Zusammenhang zwischen hohen Kernenergie-Anteilen und dem Strompreisniveau” hergestellt werden.
Sigmar Gabriel (SPD), Bundesumweltminister und Auftraggeber der Studie, geht sogar noch einen Schritt weiter. „Eine Laufzeitverlängerung führt nicht zu sinkenden Strompreisen. Im Gegenteil. Weil notwendige Investitionen in neue Kraftwerke unterbleiben, könnte der Strompreis sogar steigen.“
Schlagworte: · Atomkraftwerk, Atomstrom, Kernenergie, Sigmar Gabriel, SPD
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David Lorenz
Gute Nachrichten für Vattenfall. Nach rund zwei Jahren darf der Energie-Riese das Atomkraftwerk Krümmel wieder ans Netz nehmen. Das zuständige Sozialministerium Schleswig-Holsteins um Ministerin Gitta Trauernicht (SPD) gab am vergangenen Freitag einem Antrag Vattenfalls auf die Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerkes statt.
Krümmel musste am 28. Juni 2007 aufgrund eines Transformatorenbrandes abgeschaltet werden und wurde in den vergangenen beiden Jahren wegen mehreren technischen Schwierigkeiten und Pannen umfangreichen Wartungsarbeiten unterzogen. Laut Vattenfall hat das Unternehmen rund 200 technische Änderungen an der Anlage mit dem weltweit leistungsstärksten Siedewasserreaktor vorgenommen.
Unter Umweltschützern, Bürgerinitiativen sowie Atomkraftgegnern sorgt die Wiederinbetriebnahme nach wie vor für große Proteste. Auch Unterstützer von alternativen Energieträgern kritisieren die Rückkehr Krümmels ans deutsche Stromnetz. Sie merken an, dass der vergrößerte Anteil an Atomstrom am nationalen Energie-Mix zu Lasten der Erforschung und Entwicklung erneuerbarer Energiequellen geht.
Schlagworte: · Atomkraftwerk, Atomstrom, Erneuerbare Energien, Kernkraftwerk, Panne, SPD, Vattenfall