Von: David Lorenz
Der Atomausstieg Deutschlands schien bereits entschieden. Unter der rot-grünen Regierung wurde 2001 beschlossen, die 17 aktiven Reaktoren in der Bundesrepublik bis zum Jahr 2021 komplett vom Netz zu nehmen.
Doch nun formiert sich laut dem FOCUS (Ausgabe 7/2009) ein Bündnis, das um eine Verlängerung der Laufzeiten kämpft. Noch unter Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sollten mit den großen Stromanbietern der Republik Deals über längere Laufzeiten der Meiler ausgehandelt werden. Die CDU/CSU geht dabei von einem Sieg bei der diesjährigern Bundestagswahl und einer Koalition mit der FDP aus, die dem Atomstrom alles andere als abgeneigt gegenübersteht.
„Gleich am ersten Tag nach Koalitionsschluss muss Schwarz-Gelb ein neues Programm vorstellen“, so Energie-Expertin Gudrun Kopp von der FDP. Allerdings gehe es dabei laut Partei-Kollegen Rainer Brüderle nicht um den Neubau von Atommeilern, sondern lediglich um die Verlängerung der Laufzeiten bereits existierender Kraftwerke.
Die daraus resultierenden Gewinne sollen laut der schwarz-gelben Pläne zur einen Hälfte den Anbietern, zur anderen Hälfte einem geringeren Strompreis sowie der Erforschung alternativer Energiequellen zugute kommen.
Für eine Verlängerung der Laufzeiten sprechen daneben mehrere Gründe. Strom aus Atomkraftwerken ist deutlich billiger als der aus Windkraft und Solarenergie. So errechnete eine Studie einen volkswirtschaftlichen Vorteil von 250 Milliarden Euro, wenn die Kraftwerke 60 anstatt der von Rot-Grün geplanten 32 Jahre im Einsatz sind. Daneben würden Abhängigkeiten von Russlands Energieimporten verringert, in Zeiten des russisch-ukrainischen Gasstreits eine wichtige politische Hilfe. Hinzu kommt der Vorteil, dass bei der Gewinnung von Atomstrom im Vergleich zur Erzeugung von Strom aus Kohlekraftwerken außerordentlich wenig CO2 freigesetzt wird.
Entsorgung und Endlagerung des radioaktiven Atommülls sowie die Sicherheitsfrage rufen hingegen Kritiker an der Kernenergie auf den Plan. Fehlender Wettbewerb am Strommarkt, der durch die Nutzung von Atomenergie nicht gegeben ist, wäre ebenfalls ein Nachteil. Die Bundesrepublik ist Weltmarkt-Führer in der Solarenergie, ein Atomausstieg würde diesen Sektor der Wirtschaft weiter ankurbeln und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
Deutschland sieht sich mit seiner Energiepolitik in Europa mittlerweile ziemlich isoliert. Alle großen Nachbarn bauen wieder auf Strom aus Atomkraftwerken, Länder wie Finnland erwägen den Atomeinstieg, osteuropäische Staaten planen gar die Reaktivierung bereits ausgemusterter Meiler.
So wie es aussieht, wird in Deutschland der Ausgang der Bundestagswahlen den Ausschlag für die Zukunft der Atompolitik des Landes geben. Kommt es zu einer schwarz-gelben Mehrheit, steht längeren Laufzeiten von Atomkraftwerken wohl nichts mehr im Wege.
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5 Antworten bis jetzt ↓
1 Bernd // Feb 26, 2009 at 09:34
Ich halte es für sehr verantwortungslos, wieder zum Atomstrom zurückzukehren. Der Atomstrom sollte in einer europäischen Initiative aus allen europäischen Ländern verbannt werden. Nur so passiert in der Zukunft nicht wieder ein Unglück.
2 Christoph // Feb 27, 2009 at 15:17
Nach meiner Kenntnis hat es erst einen schweren Atomunfall gegeben;
der permanente Schaden durch Kohlekraftwerke dagegen ist für das Klima und damit für die gesamte Menschheit unermesslich;alternative Energien reichen nicht annähernd aus um den Energiebedarf der Industrieländer zu decken und sind auch nicht finanzierbar.Es ist an der Zeit ,dass auch die deutsche Politik ihr Schneckenhaus verläßt und sich wieder ernsthaft der Atomenergie zuwendet.
3 Atomic Bomberman // Mär 5, 2009 at 22:05
Die Wiederaufnahme der Debatte um eine Rückholaktion der Kernenergie auf europäischer Ebene ist meiner Ansicht nach ein erfolgreiches Treibmittel, um Europa wieder als Standortfaktor für die Industriegüterproduktion attraktiv zu machen. Im Gegensatz zur Abwrackprämie, welche meiner Meinung nach nur die Importabhängigkeit Deutschlands gegenüber der ausländischen Kleinwagenindustrie erhöht, könnte man der Automobilindustrie mit der Wiederanhebung der Einspeiseanteile den Kostendruck kurzfristig nehmen und dem Konjunkturaufschwung wieder ins Gesicht sehen……. Unsere Großwagennation wäre sehr erfreut
4 pierre // Mär 23, 2009 at 19:09
für mich gibt es keine echte Alternative zum Atomstrom; man muss sich doch nur bei unserern europäischen Nachbarn umsehen um zu wissen, wohin der Hase läuft.
insbesonder unsere französischen Freunde setzen uneingeschränkt auf Kernenergie ;wenn bei uns die Lichter dank nicht ausreichender Solarenergie und Wasserkraftenergie auszugehen drohen werden wir gerne unseren Strom aus Frankreich ins Netz einspeisen.
5 Bones // Mär 23, 2009 at 21:52
@ pierre
leider die ernüchternde Wahrheit … aber wo soll man die ganzen Giftstoffe lagern?
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