Einträge vom September 2009
Von:
David Lorenz
Das Ergebnis der Bundestagswahlen 2009 lässt die Betreiber deutscher Atomkraftwerke von verlängerten Laufzeiten ihrer Reaktoren träumen. So bot RWE-Chef Jürgen Großmann bereits an, im Gegenzug die daraus resultierenden Gewinne seines Konzerns zu 25 Prozent an Bund und Länder abzugeben.
Silke Lautenschläger (CDU), hessische Energieministerin, plant derweil, mögliche Zusatzgewinne durch längere Laufzeiten in die Erforschung erneuerbarer Energien zu investieren.
Die Landesbank Baden-Württemberg kam nach einer Studie zu dem Ergebnis, dass bei einer Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke um 25 Jahre rund 200 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen entstehen würden. Bei zehn Jahren beliefe sich die Summe auf ca. 38 Milliarden Euro.
Laut dem so genannten Atomkonsens, 2000 unter Rot-Grün beschlossen und seit 2002 in Kraft, sollen alle Kernkraftwerke der Bundesrepublik Deutschland bis ins Jahr 2020 abgeschaltet werden. Ob und wie die neue Regierung unter Schwarz-Gelb diesen Beschluss korrigieren wird, ist noch nicht bekannt. Vor der Wahl hatten sich jedoch mehrere Spitzenpolitiker von CDU, CSU und FDP für verlängerte Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke stark gemacht.
SPD, die Linke sowie die Grünen plädieren auf der Gegenseite vehement dafür, am Atomausstieg festzuhalten.
Schlagworte: · Atomausstieg, Atomkonsens, Atomkraftwerk, Bundestagswahlkampf 2009, Bündnis 90/Die Grünen, CDU, CSU, Die Linke, E.ON, FDP, Jürgen Großmann, Kernkraftwerk, Laufzeitverlängerung, RWE, Silke Lautenschläger, SPD
Von:
David Lorenz
Der deutsche Energie-Konzern E.ON will die Zusammenstellung seines Energie-Mixes ändern. Laut dem „Handelsblatt“ plant die Unternehmensführung, deutsche Kohlekraftwerke gegen eine Beteiligung an französischen Atomkraftwerken einzutauschen.
Dabei geht es vorerst um Kapazitäten von rund 800 Megawatt, die E.ON an den französischen Reaktoren in Fessenheim und Cattenom übernehmen will. Im Gegenzug erhält Electricité de France (EdF), der staatliche Energiekonzern Frankreichs, Anteile an Kohlekraftwerken von E.ON und der Tochter EnBW.
Darüber hinaus strebt Konzern-Chef Wulf Bernotat an, die 25-prozentige Beteiligung der EdF am französischen Stromversorger Snet zu übernehmen, an dem E.ON bereits eine Mehrheitsbeteiligung innehält. Somit würde sich E.ON als erstes privates Energie-Unternehmen auf dem französischen Strom-Markt etablieren.
Schlagworte: · Cattenom, E.ON, EDF, EnBW, Fessenheim, Wulf Bernotat
September 16th, 2009 · 1 Kommentar
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David Lorenz
Annette Schavan ist seit 2005 Bundesministerin für Bildung und Forschung
Brisante Enthüllung vor der anstehenden Bundestagswahl. Laut „Financial Times Deutschland“ hält Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bereits seit mehreren Monaten eine von ihr selbst in Auftrag gegebene Studie zur nationalen Gewinnung und Nutzung von Kernenergie zurück. Rund 100 renommierte Forscher sprechen sich in dem Gutachten für den Bau neuer Atomkraftwerke aus. Daneben regen sie die Suche nach alternativen Standorten für die Endlagerung von radioaktiven Rückständen in Deutschland an.
Das Ergebnis der Studie steht somit im direkten Kontrast zum Programm der CDU, das den Neubau von Kernkraftwerken bisher nicht vorsah. Auch in Sachen Endlagerung kommt es zu einem anderen Fazit als Schavan, die Gorleben stets als geeigneten Standort für die Deponierung von Atommüll darstellte.
Der Verschluss des Gutachtens dürfte für Schavan und die CDU jedoch noch einen anderen Grund haben. Zwar tritt die Union zusammen mit der FDP für längere Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke ein, doch aufgrund der kritischen Haltung vieler Bundesbürger wurde im bisherigen Wahlkampf kaum auf das Thema eingegangen. Das Gutachten der Forschergruppe hätte durch eine Veröffentlichung neue Diskussionen angeregt und dem politischen Gegner, in Form von SPD, Grünen und der Linken, Angriffsfläche für den Wahlkampf geboten. Genannte Parteien werben offensiv mit dem Atomausstieg um Stimmen bei der Bundestagswahl.
(Photo by Andreas Schepers | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Schlagworte: · Annette Schavan, Atomausstieg, Atomkraftwerk, Bundestagswahlkampf 2009, Bündnis 90/Die Grünen, CDU, CSU, Die Linke, Endlagerung, FDP, Gorleben, Kernkraftwerk, Laufzeitverlängerung, SPD
September 14th, 2009 · 1 Kommentar
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David Lorenz
Offshore-Windpark vor der Küste Dänemarks
Die jüngsten Ereignisse im Atomkraftwerk Krümmel und die Enthüllungen zum Endlager Gorleben haben direkten Einfluss auf die nationale Energiepolitik. Dem „Hamburger Abendblatt“ zufolge plant die Große Koalition noch vor den Bundestagswahlen am 27. September den Bau von 40 Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee zu genehmigen.
Laut Bundesverkehrminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sollen rund 2.500 Windräder auf See errichtet werden. „Wir rechnen im Norden mit 30.000 neuen industriellen Arbeitsplätzen in der Offshore-Windindustrie in den kommenden Jahren“, so Tiefensee. „Die aktuelle Diskussion um das Atommülllager Gorleben zeigt uns wieder mal ganz deutlich, dass wir erneuerbare Energien weiter ausbauen müssen. Offshore-Windparks sind dabei ein sinnvoller Beitrag zur umweltbewussten Energiegewinnung.“
Nach Berechnungen des Verkehrsministeriums können durch die Anlagen bei vollem Wind rund 12.000 Megawatt Windenergie erzeugt werden - das entspräche einer Leistung von 12 mittelgroßen Atomkraftwerken und könnte ca. 12 Millionen deutsche Haushalte mit Strom versorgen.
Von den geplanten 40 Windparks sollen 30 in der Nord-, und zehn in der Ostsee errichtet werden. Dabei ist geplant, die Anlagen zwischen 50 und 90 Kilometer vor den Küsten im Meer zu platzieren. Laut Tiefensee sind 22 Windparks bereits genehmigt.
(Photo by m. prinke | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Schlagworte: · Atomkraftwerk, Bundestagswahlkampf 2009, CDU, CSU, Endlagerung, Erneuerbare Energien, Gorleben, Krümmel, SPD, Windkraft, Wolfgang Tiefensee
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David Lorenz
Wurde das Atommüll-Endlager Gorleben Anfang der achtziger Jahre trotz Bedenken zuständiger Expetern in Betrieb genommen? Laut Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ hat die schwarz-gelbe Regierung unter Helmut Kohl (CDU) 1983 massiv Einfluss auf verschiedene Gutachten genommen, die Gorleben als geeignetes Zwischen- und Endlager für radioaktive Rückstände in Frage stellten.
So ließen die damaligen Ministerien für Forschung und Inneres unter der Leitung von Heinz Riesenhuber (CDU) und Friedrich Zimmerman (CSU) angeblich kritische Passagen aus den von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) verfassten Berichten beschönigen oder an weniger prominenten Stellen platzieren. Zudem seien positive Aspekte für eine Inbetriebnahme stärker herausgehoben und das abschließende Fazit komplett diktiert worden.
Der frühere Abteilungsleiter der PTB, Helmut Röthemeyer, hatte bereits Anfang 2009 öffentlich beklagt, dass seine Behörde zum damaligen Zeitpunkt unter erheblichem Druck der Politik stand, die Gorleben unbedingt in Betrieb nehmen wollte.
Schlagworte: · Atommüll, CDU, CSU, Endlagerung, FDP, Gorleben, Zwischenlagerung
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David Lorenz
Kernkraftwerk im niederländischen Borssele
Die Expansions-Pläne des deutschen Energie-Riesen RWE erhalten einen erneuten Dämpfer. Nachdem das Unternehmen bereits in Bulgarien einen Rückschlag hinnehmen musste, geraten nun auch die Investitions-Bemühungen in den Niederlanden ins Stocken.
RWE wollte sich ursprünglich mit 50 Prozent am einzigen niederländischen Atomkraftwerk in Borssele beteiligen. Der Anteil sollte im Zuge der geplanten Übernahme des angeschlagenen Energie-Versorgers Essent an RWE übergehen. Die EU hatte der Übernahme bereits zugestimmt, die RWE 9,3 Milliarden Euro zuzüglich bestehender Verbindlichkeiten von 1,3 Milliarden Euro des niederländischen Konzerns gekostet hätte.
Mittlerweile konnte allerdings Delta Energy, wie Essent mit 50 Prozent an Borssele beteiligt, eine einstweilige Verfügung gegen die Übernahme durch RWE erwirken. Delta Energy beruft sich dabei auf ein niederländisches Gesetzt, dass es privaten Investoren untersagt, nationale Kerntechnik zu kaufen.
RWE und Essent werden gegen den Gerichtsbeschluss Einspruch einlegen. Da mit einer Prozess-Dauer von mindestens sechs Jahren zu rechnen ist, wird bei der Essent-Übernahme durch RWE die Beteiligung an der Atomanlage in Borssele vorerst ausgeklammert. Der Übernahmepreis wird laut einer Sprecherin des deutschen Energie-Versorgers somit um 950 Millionen Euro vermindert.
RWE ist jedoch weiterhin stark daran interessiert, Borssele nach geklärter Rechtslage zu übernehmen.
(Photo by Radio Nederland Wereldomroep | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Schlagworte: · Atomkraftwerk, Borssele, Bulgarien, Essent, Kernkraftwerk, Niederlande, RWE