Atomstrom-Info.de: Infos und Diskussion

Atomstrom-Info.de: Infos und Diskussion

Einträge vom Juli 2009

Schavan vs. Gabriel

Juli 27th, 2009 · 1 Kommentar

Von: David Lorenz

„Ich bin außerordentlich beunruhigt über die Sicherheitslage in Philippsburg, Krümmel und Emsland. In allen drei Atomkraftwerken gibt es Probleme im Bereich der Maschinentransformatoren, obwohl alle drei Anlagen kurz zuvor in der Revision waren oder umfassend saniert wurden. Inzwischen sind sechs von 17 eigentlich noch laufenden Reaktoren in Deutschland vom Netz - aus Sicherheitsgründen wohlgemerkt.“

Sigmar Gabriel (SPD), Bundesumweltminister, gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

„Wer will, dass Deutschland bei der Energieversorgung eine vernünftige Perspektive hat, darf die Kernkraft nicht verteufeln. Es ist verantwortungslos, die Pannen in Krümmel für Propaganda zu nutzen.“

Annette Schavan (CDU), Bundesforschungsministerin, gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Schlagworte: · , , , , , , , ,

Emsland: Kernkraftwerk abgeschaltet

Juli 24th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Erneut sorgt die Atomindustrie für Aufsehen. Am heutigen Freitagmorgen musste das Kernkraftwerk Emsland im niedersächsischen Lingen abgeschaltet werden. Ausgelöst wurde der Zwischenfall laut RWE, Betreiber des Atomkraftwerkes, durch eine Überwachungseinrichtung am Maschinentrafo, die nicht ordnungsgemäß ihren Dienst verrichtete.

Das niedersächsische Umweltministerium gab umgehend bekannt, dass dem Vorfall lediglich eine geringe Bedeutung beigemessen werde und von einem Störfall nicht die Rede sein kann. Eine Sicherheitsgefahr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden und Radioaktivität sei nicht ausgetreten.

Derzeit untersuchen Beamte der zuständigen Aufsichtbehörde den Reaktor und entscheiden dann, wann die Anlange, die seit 1988 in Betrieb ist, wieder hochgefahren werden kann.

Schlagworte: · , , , ,

Merkel unzufrieden mit Vattenfall

Juli 22nd, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Ungewohnt deutlich äußerste sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu den jüngsten Vorfällen im Atomkraftwerk Krümmel. „Es kann einem schon der Zorn ins Gesicht steigen“, so Merkel gegenüber der ARD. „Ich bin sehr, sehr unzufrieden mit der Situation, dass es auch nach zwei Jahren Reparaturen an dem Atommeiler wieder zu Zwischenfällen kam.“

Merkel geht somit erstmals öffentlich auf Konfrontationskurs zu Vattenfall, dem schwedischen Betreiberkonzern des pannengeplagten Kernkraftwerkes. Die großen Vorbehalte in der deutschen Bevölkerung gegenüber der Nutzung von Kernenergie haben sich durch die aktuellen Störfalle in Krümmel zuletzt weiter verstärkt. Für CDU/CSU und FDP kommt die jüngste Anti-Atomkraft-Stimmung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da ursprünglich mit verlängerten Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke und einer Atomstrom-Renaissance für die Bundestagswahlen im kommenden September geworben werden sollte.

Die Kanzlerin musste zudem fehlende Fortschritte bei der Deponierung von radioaktiven Abfällen einräumen. „Die Endlagerungsfrage ist leider ungeklärt“, gestand Merkel ein. Allerdings machte sie dafür zu einem großen Teil Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sowie die zahlreichen Atomkraftgegner in Deutschland verantwortlich, die den Ausbau des Zwischenlagers in Gorleben zu einem Endlager durch die Suche nach alternativen Standorten verzögern würden. „Wir hätten weit kommen können, wenn der Umweltminister es gewollt hätte“, so die Bundeskanzlerin.

Schlagworte: · , , , , , , , , , , , , , , ,

Gabriel rät Vattenfall-Kunden zu Stromwechsel

Juli 18th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Nach den Vorkommnissen im Atomkraftwerk Krümmel hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) den Kunden des schwedischen Energie-Riesen Vattenfall einen Stromanbieter-Wechsel nahe gelegt.

„Der Verbraucher ist der Souverän. Jeder kann Vattenfall verlassen, wenn er mit der Unternehmenspolitik nicht einverstanden ist“, so Gabriel gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“. „Vattenfall hat alle Chancen, diese Kunden mit einer anderen Politik zurückzugewinnen.“

Außerdem machte sich der 49-Jährige abermals für die Schließung des pannengeplagten Kernkraftwerkes in Krümmel stark. „Das Rest-Vertrauen in das Unternehmen kehrt nur zurück, wenn es nicht permanent mit einem Problemreaktor identifiziert wird. Vattenfall sollte nicht ernsthaft auf die Idee kommen, Krümmel wieder hochzufahren.“

Der Stromanbieter musste im direkten Anschluss an den jüngsten Störfall bereits eine Welle von Kunden-Abgängen in Hamburg und Umgebung hinnehmen.

Schlagworte: · , , , , , ,

Vattenfall: Kündigungswelle nach Panne in Krümmel

Juli 14th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Panne mit Folgen: Nach dem Störfall im Atomkraftwerk Krümmel laufen Vattenfall die Kunden davon. In den betroffenen Gebieten rund um Hamburg verzeichneten Ökostrom-Anbieter wie Lichtblick, Greenpeace Energy AG oder Naturstrom erhebliche Neukunden-Zuwachsraten. So verbuchte beispielsweise Lichtblick im direkten Anschluss an den Zwischenfall täglich rund 500 neue Abnehmer - anstatt der üblichen 300. Auch Greenpeace gewann jeden Tag etwa 80 bis 90 Haushalte hinzu, die Vattenfall den Rücken kehrten.

Der schwedische Energie-Riese selbst wollte die Wechsel-Welle bisher nicht bestätigen, da aufgrund des bürokratischen Aufwandes erst im August Angaben zu abgewanderten Kunden gemacht werden können.

Schlagworte: · , , , ,

Gabriel kontert Koch

Juli 13th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Die Reaktion von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf die Kritik des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) lies nicht lange auf sich warten. Nachdem Koch eine unbegrenzte Laufzeit deutscher Kernkraftwerke gefordert hatte und die Atomausstiegs-Bemühungen Gabriels heftig kritisierte, fand dieser gegenüber dem „Hessischen Rundfunk“ deutliche Worte: „Personen wie Roland Koch, die am lautesten nach einem Festhalten an der Atomenergie rufen, scheuen wie der Teufel das Weihwasser, wenn man in ihrem Bundesland nach möglichen Endlagerungsstätten für Atommüll sucht.“

Auch nannte Gabriel die Bestrebungen von Union und FDP, ältere deutsche Atommeiler weiterhin zu betreiben, einen Skandal. Dies diene lediglich den Interessen der Atomwirtschaft und berge ein großes Sicherheitsrisiko. Abermals machte Gabriel deutlich, dass er eine zentrale Atomaufsicht sowie den vorgezogenen Atomausstieg für die Zukunft Deutschlands als unumgänglich betrachtet.

Schlagworte: · , , , , , , , , , , , ,

Mehrheit der Deutschen kontra Krümmel & Co.

Juli 11th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Die Panne von Krümmel aus der vergangenen Woche hat direkten Einfluss auf das Bewusstsein der Deutschen im Hinblick auf ältere Atomkraftwerke. Eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes Emnid im Auftrag der „Bild am Sonntag“ kann jetzt zu dem Ergebnis, dass rund 72 Prozent der Bundesbürger für eine sofortige Abschaltung des Kernkraftwerkes in Krümmel sowie anderer älterer Atommeiler sind. Nur 26 Prozent der Befragten sind für einen Verbleib von Krümmel & Co. am deutschen Stromnetz.

Währenddessen rückt die zukünftige Nutzung von Atomstrom mitten ins Zentrum des diesjährigen Bundestagswahlkampfes. Während SPD, Grüne und die Linke geschlossen für einen Atomausstieg bis ins Jahr 2020 oder sogar früher eintreten, und damit laut der Emnid-Umfrage den Nerv der Wähler treffen, setzen sich CDU, CSU und die FDP nach wie vor mehrheitlich für verlängerte Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke ein.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) machte sich jüngst für individuelle Laufzeiten der einzelnen Kernkraftwerke stark. „Die Laufzeiten sollen zukünftig streng nach den vorliegenden Sicherheitskriterien festgelegt werden“, so Wulff gegenüber der Online-Ausgabe der „WELT“. Pannen wie die in Krümmel müssten sorgfältig untersucht und aufgeklärt werden. „Kraftwerke, die sicher sind und bei denen es keinen Zweifel am neuesten Stand der Technik gibt, sollen weiter betrieben werden“, so der 50-Jährige.

Roland Koch (CDU) geht sogar noch einen Schritt weiter. Der hessische Ministerpräsident forderte gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ unbegrenzte Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland. „Wir wollen alle politischen Laufzeitbeschränkungen aufheben. Die Frage, wie lange ein Kernkraftwerk sicher ist, soll nach dem Stand von Wissenschaft und Technik entschieden werden - der TÜV und nicht Herr Gabriel soll das bestimmen.

Gleichzeitig übte Koch allerdings harsche Kritik an der missglückten Kommunikationspolitik von Seiten des Betreibers im Falle Krümmel. „Die Dummheit der Energiekonzerne in ihrer Kommunikation ist kaum noch beschreibbar. Konzerne wie Vattenfall machen sich so unfreiwillig selbst zu den größten Gegnern der Kernkraft.“

SPD-Chef Franz Müntefering setzte sich währenddessen lautstark für eine Stilllegung des Pannenreaktors an der Elbe ein. „Was in Krümmel passiert stinkt zum Himmel. Legt das Ding endlich still.“

Vattenfall sieht sich mittlerweile von einer nationalen Kampagne gegen das Unternehmen bedroht. Gegenüber dem „Focus“ äußerste sich Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka mit deutlichen Worten. „Ich warne ausdrücklich vor einem Anti-Atomwahlkampf auf unsere Kosten. Das Ereignis in Krümmel jetzt zu instrumentalisieren, ist unverantwortlich. Der Kurzschluss war ein bedauerlicher Einzelfall und die Sicherheitslage des Reaktors war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Einige Politiker versuchen jetzt, mit den Ängsten der Menschen in diesem Land auf Stimmenfang zu gehen.“

Schlagworte: · , , , , , , , , , , , , , , , , ,

„Kühlen Kopf bewahren“

Juli 9th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

„Die Politik muss zwar die bestehenden Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen. Dennoch sollten wir einen kühlen Kopf bewahren. Der Fall Krümmel hat bewiesen, dass die Technik der Notabschaltung funktioniere. Die Kernkraftwerke sind die bestüberwachten Anlagen in Deutschland. Herr Gabriel instrumentalisiert jeden kleinen Fehler in einem Kernkraftwerk für den Wahlkampf. Das werden wir ihm und der SPD nicht durchgehen lassen.“

Peter Ramsauer, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag, gegenüber der „Passauer Neuen Presse“.

Schlagworte: · , , , , , , ,

Krümmel & Biblis: Eingeständnisse der Bundesregierung

Juli 8th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Die aktuelle Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel bringt neuen Schwung in die öffentliche Diskussion um Sicherheitslage und Zustand deutscher Kernkraftwerke.

Laut der „Berliner Zeitung“ wurde jetzt bekannt, dass bereits seit 2006 offizielle Regierungs-Erklärungen existieren, die Anlagen wie Krümmel und Biblis attestieren, „nicht auf dem aktuellsten Stand von Technik und Wissenschaft“ zu sein. Sie gehören „nicht zu den weltweit hochmodernsten und sichersten Atomkraftwerken.“

In der Antwort auf eine aktuelle parlamentarische Anfrage der Grünen heißt es zudem, „die neueren Siedewasserreaktoren sowie die Druckwasserreaktoren der dritten oder vierten Generation haben grundsätzlich bessere Sicherheitseigenschaften.“

Krümmel und Biblis gehören mit Inbetriebnahmen aus den Jahren 1984 und 1975 zu den ältesten deutschen Kernkraftwerken und verfügen über Siedewasserreaktoren einer bereits betagten Bauart. Beide Anlagen hatten während der vergangenen Jahre in regelmäßigen Abständen mit Pannen und Störfällen auf sich aufmerksam gemacht.

Vattenfall gab derweil bekannt, dass der Meiler im norddeutschen Krümmel aufgrund von fälligen Sanierungsarbeiten für mindestens zehn Monate still stehen würde. Außerdem wurden schwerwiegende Fehler eingestanden, unter anderem eine mangelhafte Kommunikationspolitik mit Behörden und Öffentlichkeit sowie die fehlende Installation einer Messeinrichtung am Transformator, die den Störfall früher hätte melden können. Der verantwortliche Leiter des Kraftwerkes wurde mittlerweile von seinen Aufgaben entbunden.

Schlagworte: · , , , , , ,

Greenpeace versperrt Zugang zu Krümmel

Juli 6th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

Einen Tag nachdem der Kernrektor in Krümmel am gestrigen Sonntag aufgrund eines Trafokurzschlusses heruntergefahren werden musste, kam es zu heftigen Demonstration gegen Vattenfall, den schwedischen Betreiberkonzern des Atomkraftwerkes an der Elbe.

Mitglieder der Umweltorganisation Greenpeace versperrten mit schweren Ketten den Zugang zur Anlage und forderten auf Schildern und Plakaten die zuständige Atomaufsicht dazu auf, Vattenfall unverzüglich die Lizenz zum Betrieb des Atomkraftwerkes zu entziehen und den Reaktor in Krümmel für immer vom Netz zu nehmen.

Der Energie-Konzern war bei dem Störfall durch eine mangelhafte Kommunikationspolitik aufgefallen. Nicht der Betreiber, sondern die örtliche Polizei hatte die Panne zuerst gemeldet. Zudem wurde bekannt, dass die Folgen des Kurzschlusses deutlich schlimmer waren als von Vattenfall zunächst verbreitet.

Währenddessen wird auch aus der Politik vermehrt die Forderung laut, das durch Störfälle geplagte Kernkraftwerk endgültig stillzulegen. Claudia Roth, Partei-Chefin der Grünen, rief die Bundesregierung dazu auf, „dass gefährliche Vabanquespiel“ Vattenfalls mit Krümmel umgehend zu unterbinden und die jüngsten Störfälle umfangreich zu untersuchen.

Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sowie die Partei die Linke setzen sich vehement für einen schnelleren Atomausstieg Deutschlands sowie eine nationale Atomaufsichtsbehörde ein. Bisher liegt die Verantwortung über Atomkraftwerke und Betreiber in Händen der einzelnen Bundesländer.

Krümmel, das nach zwei Jahren Stillstand und umfangreichen Wartungsarbeiten erst vor zwei Wochen wieder hochgefahren wurde, musste in den vergangenen Tagen aufgrund von Störfällen bereits zum wiederholten Male abgeschaltet werden.

Während die öffentliche Kritik an Betreiber und Anlage derweil immer lauter wird, sieht die Kanzlerin generell keine Sicherheitsrisiken in deutschen Atomkraftwerken. Angela Merkel betonte vehement, trotz der jüngsten Störfälle keinen schnelleren Atomausstieg vorantreiben zu wollen. Dennoch könnten die Pläne von CDU/CSU und FDP, bei veränderten Mehrheitsverhältnissen nach der diesjährigen Bundestagswahl die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern, durch die Ereignisse in Krümmel nachhaltig über den Haufen geworfen werden.

Schlagworte: · , , , , , , , , , , , , , , ,