Atomstrom-Info.de: Infos und Diskussion

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Einträge vom Februar 2009

Endlagerung von Atommüll - offene Fragen und Standorte

Februar 28th, 2009 · Keine Kommentare

Von: David Lorenz

In Deutschland ist die Frage nach der Endlagerung von radioaktiven Abfällen noch nicht geklärt und hoch umstritten.

Kernkraftwerke hinterlassen bei der Erzeugung von Atomstrom hochradioaktive Rückstände, die fachgerecht transportiert, zwischen- und endgelagert werden müssen. Neben radioaktivem Müll aus Forschungsreaktoren lassen auch Technik, Industrie und Medizin atomaren Abfall zurück. Unterschieden wird dabei in Wärme produzierender und in geringe oder wenig Wärme produzierender Rückstände. Dies ist für die Deponierung von entscheidender Bedeutung. Für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle ist z.B. noch kein geeigneter Standort gefunden worden.

In der Bundesrepublik gibt es vier Endlager, in denen radioaktive Abfälle gelagert wurden, zum Teil noch eingelagert werden oder die auf eine mögliche Einlagerung hin untersucht werden. Die Theorie lautet dabei, den atomaren Müll in Bergwerken tief unter der Erde mit Hilfe von geologischen Formationen dauerhaft zu verschließen.

Morsleben

Im Zweiten Weltkrieg noch unterirdische Rüstungsproduktionsstätte, wurde das Bergwerk in der ehemaligen DDR zur Einlagerung von schwachen und mittelaktiven Rückständen genutzt. Nach der Wiedervereinigung übernahm der Bund den Standort, bis der Einlagerungsbetrieb 1998 eingestellt wurde. Insgesamt sind 37.000 m3 radioaktiver Abfälle in Morsleben deponiert. Aufgrund ungelöster Sicherheitsfragen steht ein Verschluss des Bergwerkes noch aus.

Gorleben

In Gorleben ist bisher noch kein radioaktiver Abfall endgelagert worden. Der Standort dient lediglich als Zwischenlager. Der ehemalige Salzstock wurde von 1979 bis 2000 auf seine Tauglichkeit als Endlager untersucht. Sicherheitsrelevante Fragen wie die geologische Abschirmung vor dem Grundwasser sind nicht geklärt. Über die Wiederaufnahme der Tests wird momentan noch gestritten.

Konrad

Der Standort Konrad ist das erste genehmigte Endlager in der Bundesrepublik. 2002 erteilte das Umweltministerium von Niedersachsen die Erlaubnis zur Einlagerung von nicht oder schwach Wärme produzierender Abfälle. 2007 wies das Bundesverwaltungsgericht alle Klagen gegen die Inbetriebnahme des Endlagers ab. Die ehemalige Eisenerzgrube muss jedoch noch vom Bundesamt für Strahlenschutz umgerüstet werden, bevor 2013 mit der Einlagerung begonnen werden kann. Eingelagert werden dürfen nur Abfälle aus dem nationalen Gebrauch, insgesamt wird mit einer Menge von 303.000 m3 radioaktiver Rückstände gerechnet.

Asse

Im ehemaligen Steinsalzbergwerk bei Wolfenbüttel sind zwischen 1967 und 1978 insgesamt 46.930 m3 schwachaktiver Abfälle eingelagert worden. Ende 1978 wurde wegen offenen Problemen die Deponierung eingestellt und stattdessen mit Experimenten zur Einlagerung in Salz begonnen. Kritik wurde laut, da von Seiten der Betreiber und Behörden die sicherheitstechnischen Defizite nicht eingeräumt wurden. Erst in den neunziger Jahren wurden die Probleme angemessen bewertet. Seit 2000 wird versucht, einen Nachweis für die sichere Lagerung zu erbringen — bisher ohne Erfolg. Ein Gutachten von 2007 lässt die zuständigen Ministerien sogar eine Rückholaktion der mittelradioaktiven Abfälle in Erwägung ziehen. Mit einer endgültigen Schließung ist jedoch nicht vor 2017 zu rechnen.

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Atomstrom - Vergangenheit oder Zukunft?

Februar 25th, 2009 · 5 Kommentare

Von: David Lorenz

Der Atomausstieg Deutschlands schien bereits entschieden. Unter der rot-grünen Regierung wurde 2001 beschlossen, die 17 aktiven Reaktoren in der Bundesrepublik bis zum Jahr 2021 komplett vom Netz zu nehmen.

Doch nun formiert sich laut dem FOCUS (Ausgabe 7/2009) ein Bündnis, das um eine Verlängerung der Laufzeiten kämpft. Noch unter Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sollten mit den großen Stromanbietern der Republik Deals über längere Laufzeiten der Meiler ausgehandelt werden. Die CDU/CSU geht dabei von einem Sieg bei der diesjährigern Bundestagswahl und einer Koalition mit der FDP aus, die dem Atomstrom alles andere als abgeneigt gegenübersteht.

„Gleich am ersten Tag nach Koalitionsschluss muss Schwarz-Gelb ein neues Programm vorstellen“, so Energie-Expertin Gudrun Kopp von der FDP. Allerdings gehe es dabei laut Partei-Kollegen Rainer Brüderle nicht um den Neubau von Atommeilern, sondern lediglich um die Verlängerung der Laufzeiten bereits existierender Kraftwerke.

Die daraus resultierenden Gewinne sollen laut der schwarz-gelben Pläne zur einen Hälfte den Anbietern, zur anderen Hälfte einem geringeren Strompreis sowie der Erforschung alternativer Energiequellen zugute kommen.

Für eine Verlängerung der Laufzeiten sprechen daneben mehrere Gründe. Strom aus Atomkraftwerken ist deutlich billiger als der aus Windkraft und Solarenergie. So errechnete eine Studie einen volkswirtschaftlichen Vorteil von 250 Milliarden Euro, wenn die Kraftwerke 60 anstatt der von Rot-Grün geplanten 32 Jahre im Einsatz sind. Daneben würden Abhängigkeiten von Russlands Energieimporten verringert, in Zeiten des russisch-ukrainischen Gasstreits eine wichtige politische Hilfe. Hinzu kommt der Vorteil, dass bei der Gewinnung von Atomstrom im Vergleich zur Erzeugung von Strom aus Kohlekraftwerken außerordentlich wenig CO2 freigesetzt wird.

Entsorgung und Endlagerung des radioaktiven Atommülls sowie die Sicherheitsfrage rufen hingegen Kritiker an der Kernenergie auf den Plan. Fehlender Wettbewerb am Strommarkt, der durch die Nutzung von Atomenergie nicht gegeben ist, wäre ebenfalls ein Nachteil. Die Bundesrepublik ist Weltmarkt-Führer in der Solarenergie, ein Atomausstieg würde diesen Sektor der Wirtschaft weiter ankurbeln und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Deutschland sieht sich mit seiner Energiepolitik in Europa mittlerweile ziemlich isoliert. Alle großen Nachbarn bauen wieder auf Strom aus Atomkraftwerken, Länder wie Finnland erwägen den Atomeinstieg, osteuropäische Staaten planen gar die Reaktivierung bereits ausgemusterter Meiler.

So wie es aussieht, wird in Deutschland der Ausgang der Bundestagswahlen den Ausschlag für die Zukunft der Atompolitik des Landes geben. Kommt es zu einer schwarz-gelben Mehrheit, steht längeren Laufzeiten von Atomkraftwerken wohl nichts mehr im Wege.

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