Von: David Lorenz
In Deutschland ist die Frage nach der Endlagerung von radioaktiven Abfällen noch nicht geklärt und hoch umstritten.
Kernkraftwerke hinterlassen bei der Erzeugung von Atomstrom hochradioaktive Rückstände, die fachgerecht transportiert, zwischen- und endgelagert werden müssen. Neben radioaktivem Müll aus Forschungsreaktoren lassen auch Technik, Industrie und Medizin atomaren Abfall zurück. Unterschieden wird dabei in Wärme produzierender und in geringe oder wenig Wärme produzierender Rückstände. Dies ist für die Deponierung von entscheidender Bedeutung. Für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle ist z.B. noch kein geeigneter Standort gefunden worden.
In der Bundesrepublik gibt es vier Endlager, in denen radioaktive Abfälle gelagert wurden, zum Teil noch eingelagert werden oder die auf eine mögliche Einlagerung hin untersucht werden. Die Theorie lautet dabei, den atomaren Müll in Bergwerken tief unter der Erde mit Hilfe von geologischen Formationen dauerhaft zu verschließen.
Morsleben
Im Zweiten Weltkrieg noch unterirdische Rüstungsproduktionsstätte, wurde das Bergwerk in der ehemaligen DDR zur Einlagerung von schwachen und mittelaktiven Rückständen genutzt. Nach der Wiedervereinigung übernahm der Bund den Standort, bis der Einlagerungsbetrieb 1998 eingestellt wurde. Insgesamt sind 37.000 m3 radioaktiver Abfälle in Morsleben deponiert. Aufgrund ungelöster Sicherheitsfragen steht ein Verschluss des Bergwerkes noch aus.
Gorleben
In Gorleben ist bisher noch kein radioaktiver Abfall endgelagert worden. Der Standort dient lediglich als Zwischenlager. Der ehemalige Salzstock wurde von 1979 bis 2000 auf seine Tauglichkeit als Endlager untersucht. Sicherheitsrelevante Fragen wie die geologische Abschirmung vor dem Grundwasser sind nicht geklärt. Über die Wiederaufnahme der Tests wird momentan noch gestritten.
Konrad
Der Standort Konrad ist das erste genehmigte Endlager in der Bundesrepublik. 2002 erteilte das Umweltministerium von Niedersachsen die Erlaubnis zur Einlagerung von nicht oder schwach Wärme produzierender Abfälle. 2007 wies das Bundesverwaltungsgericht alle Klagen gegen die Inbetriebnahme des Endlagers ab. Die ehemalige Eisenerzgrube muss jedoch noch vom Bundesamt für Strahlenschutz umgerüstet werden, bevor 2013 mit der Einlagerung begonnen werden kann. Eingelagert werden dürfen nur Abfälle aus dem nationalen Gebrauch, insgesamt wird mit einer Menge von 303.000 m3 radioaktiver Rückstände gerechnet.
Asse
Im ehemaligen Steinsalzbergwerk bei Wolfenbüttel sind zwischen 1967 und 1978 insgesamt 46.930 m3 schwachaktiver Abfälle eingelagert worden. Ende 1978 wurde wegen offenen Problemen die Deponierung eingestellt und stattdessen mit Experimenten zur Einlagerung in Salz begonnen. Kritik wurde laut, da von Seiten der Betreiber und Behörden die sicherheitstechnischen Defizite nicht eingeräumt wurden. Erst in den neunziger Jahren wurden die Probleme angemessen bewertet. Seit 2000 wird versucht, einen Nachweis für die sichere Lagerung zu erbringen — bisher ohne Erfolg. Ein Gutachten von 2007 lässt die zuständigen Ministerien sogar eine Rückholaktion der mittelradioaktiven Abfälle in Erwägung ziehen. Mit einer endgültigen Schließung ist jedoch nicht vor 2017 zu rechnen.
